27 April 2012



Vorhang zu für die reguläre Saison 2011/12, die für Fans, Beobachter und Akteure gleichermaßen so grausam und unerbittlich war wie nur wenige zuvor. Kein Camp, keine Trainingseinheiten und nonstop-Basketball zollten ihren Tribut. Bei aller Kritik: es waren auch Highlights dabei, Spieler, die über sich hinaus wuchsen oder ihre absolute Extraklasse unter Beweis stellten. Genau die sollen an dieser Stelle geehrt werden: die individuellen NBCHF Saisonawards 2011/12.


Most Valuable Player

1. LeBron James, Miami Heat

Dieses Rennen war lange Zeit verdammt spannend, und ich hatte noch im März mehrfach betont, dass Kevin Durant mit einem starken Schlussmonat an James vorbei ziehen könnte, eben weil er in fünf Kategorien (Punkte, Rebounds, Blocks, Dreier, Freiwürfe) besser abschneidet als LBJ. Oklahoma City brach aber im April etwas ein und ebnete so den Weg zu James' drittem MVP-Award. Es gibt kein Drumherum: der 27-jährige Frachtzug lieferte seine statistisch wohl kompletteste Profisaison ab, was einer der 20 höchsten PER-Werte aller Zeiten eindrucksvoll unterstreicht. Mit 27.1 Punkten, 7.9 Rebounds, 6.2 Assists im Schnitt bei fantastischen 53% aus dem Feld und exzellenter Verteidigung (1.9 Steals, 0.8 Blocks) auf fünf Positionen demonstrierte James einmal mehr seinen Ausnahmestatus. Miami blieb trotz Wade's Verletzungen und Bosh's Menstruationszyklen den Bulls immer auf den Fersen, und James hatte daran den Bärenanteil. Sein Vermächtnis wird erst in den Playoffs entschieden, und es ist - angesichts der offensichtlichen Defizite dieses Heat-Teams - gut möglich, dass es in diesem Jahr wieder nichts wird mit dem Titel. Aber an James als MVP gibt es absolut nichts zu rütteln.

2. Kevin Durant
3. Chris Paul


Defensive P. of the Year

1. Tyson Chandler, New York Knicks

Über Chandler's Einfluss auf die Knickerbockers habe ich mich an dieser Stelle bereits ausführlich ausgelassen. Es ist offensichtlich, dass der beste Verteidiger der NBA Finals 2011 auch in New York die gesamte Teamkultur verändert hat und trotz einer tumultartigen Saison sein Team im Alleingang auf Playoff-Kurs hielt. Er rangiert bei den Rebounds, Blocks und FG% unter den Führenden in der Liga und hat die Defensive von Platz 21 im letzten Jahr unter die Top-4 gehievt. Angesichts der Defensivallergie seiner Vorderleute (Anthony und Amare, ich kann euch sehen) eine unfassbare Errungenschaft. Er ackert am defensiven Brett, neutralisiert die Zone und absorbiert gegnerische Drives wie ein überdimensional grosser Staubsauger. Mit ihm auf dem Court kassieren die Knicks knapp 14 Punkte weniger pro 100 Angriffe. Gigantisch! Bei allem Melo-Scoring-Gelage und dem ganzen Jeremy Lin Wahnsinn: ohne Chandler stünden die Knicks in der Lotterie, anstatt am Samstag in Miami die Playoffs zu eröffnen.

2. Dwight Howard
3. Kevin Garnett
4. Tony Allen


Rookie of the Year

1. Kyrie Irving, Cleveland Cavaliers

Einen deutlicheren Rookie des Jahres hat es wohl nur selten gegeben. Guard-Sensation Kyrie Irving spielte sich, zunächst noch heimlich und fast unbemerkt, von Saisonbeginn an unter die effizientesten Aufbauspieler der Liga und verharrte dort. Mit 18.5 Punkten, 3.7 Rebounds und 5.4 Assists bei fantastischen 47-40-87 Wurfquoten rangierte der Frischling das gesamte Jahr über unter den PER Top-20 und bewies zudem, dass er schon jetzt zu den besten Crunch-Time Spielern in der NBA gehört. Beweis gefällig: wie wär's mit 51% aus dem Feld (18-35) in den letzten drei Minuten einer engen Partie. Inklusive mehrere Gamewinner in NBA-Jahr eins. Irving ist ein kommender Superstar und auf bestem Wege zu einer Chris Paul 2.0 Karriere.

2. Kenneth Faried
3. Isaiah Thomas


6th Man of the Year

1. James Harden, Oklahoma City Thunder

Eine leichte Wahl. James Harden machte in seinem dritten Profijahr den hoch antizipierten Sprung und etablierte sich hinter Bryant und Wade als drittbester Shooting Guard der Liga. Sein Impact von der Bank und als Fashion-Ikone war unerreicht: mit 16.9 Punkten, 4.1 Rebounds und 3.7 Assists bei knapp 50% aus dem Feld stellte er Bestmarken für Bankspieler auf, die einen Grossteil der NBA-Starter in den Schatten stellen. Sein massiver Bart verhinderte beim hässlichen Zusammenprall mit Ron Artest's Ellbogen eine schlimmere Verletzung und sorgte dafür, dass Harden sein perfekt abgerundetes All-Around Spiel auch in den Playoffs aufbieten kann.

2. Lou Williams
3. Taj Gibson


Most Improved Player

1. Ersan Ilyasova, Milwaukee Bucks

Eins vorweg: hätte Jeremy Lin nicht zwei Drittel der Saison verpasst, dieser Award wäre ihm nicht zu nehmen. Man kann sicherlich auch so darüber streiten, ob seine statistische Steigerung und generelle Einflussnahme auf die Geschicke der New York Knicks nicht honoriert werden müssen. Aber ich kann mich nicht dazu durchringen, eine 20 Spiele andauernde Leistungsexplosion zu belohnen, wenn andere Akteure über die volle Saisondauer überzeugten. Ersan Ilyasova stieg im Milwaukee vom talentierten Bankspieler zu einem ernst zu nehmenden Starter empor, der in Scott Skiles' System zum Schlüsselspieler avancierte und sein PER um mehr als 6 Punkte verbesserte. Dank seiner Toughness, Treffsicherheit (45% von Drei) und Reboundstärke (12.8 RP40Min.) wurde er zu einer Art Kevin Love light und hielt Milwaukee bis zum Schluss im Playoff-Rennen.

2. Jeremy Lin
3. Nikola Pekovic
4. Ryan Anderson


Coach of the Year

1. Tom Thibodeau, Chicago Bulls

Ich weiss, ich weiss: kein Head Coach in der NBA-Historie hat jemals Back to Back COY Awards eingeheimst. Und ich gehe auch stark davon aus, dass es auch in diesem Jahr dabei bleiben und Greg Popovich als bester Übungsleiter geehrt werden wird. Aber man sollte sich einmal vor Augen führen, was Thibodeau in Chicago in diesem Jahr erreicht hat: Nicht nur, dass er die erstickende Bulls-Verteidigung wieder auf Platz 1 bei der defensiven Effizienz geführt hat (95.3). Die Stiere rangieren nun auch bei der Offensive unter den fünf besten Teams ligaweit (104.5) und sind von Kühen zu einer nahezu unbesiegbaren Mammut-Herde mutiert. Chicago besitzt die beste Offensiv/Defensiv Effizienz aller Teams seit 1996 (MJ's Bulls). Dass man trotz des langfristigen Fehlens seines besten Spielers und amtierenden MVPs Derrick Rose und weiterer wesentlicher Personalausfälle die beste Bilanz der Liga erreichte (50-16) ist unerhört. Greg Popovich hat in San Antonio einen absolute Meisterleistung vollbracht und sich diesen Preis ebenso verdient wie Thibs. Weil aber nur einer gewinnen kann, entscheide ich mich dafür, die historische Signifikanz von Thibodeau's Leistung zu honorieren.

2. Greg Popovich
3. Lionel Hollins


Executive of the Year

1. Neil Olshey, Los Angeles Clippers

Wie man einen maroden Club mit ein paar wohl durchdachten Handgriffen auf Vordermann bringen und den eingeschlagenen Rebuild mit einem Schlag komplettieren kann, bewies Clippers-GM Olshey auf beeindruckende Art und Weise. Nachdem das Team jahrelang junge und talentierte Spieler akkumuliert hatte, ging Olshey im Dezember in die Vollen und verpflichtete Superstar-PG Chris Paul. Der machte aus der einstigen Lachnummer über Nacht einen Anwärter für den Division-Titel und legte den Grundstein für die weitere Arbeit des guten Managers, der später noch Chauncey Billups, Kenyon Martin und Nick Young verpflichtete. Die Clippers haben sich - vorausgesetzt sie halten Paul und Griffin - auf Jahre als ernst zu nehmendes Playoff-Team positioniert, das mit weiteren Handgriffen zum Contender aufsteigen kann. Man darf überzeugt sein, dass Olshey auch da ganze Arbeit leisten wird.

2. R.C. Buford, San Antonio Spurs
3. Kevin O'Connor, Utah Jazz