28 April 2012



Oh Ja! Die Serie, die in der ersten Runde alle sehen wollten, ist Realität: New York gegen Miami. Einer der letzten Playoff-Klassiker der NBA startet am Samstag in Florida, wo die hoch favorisierten Miami Heat ihre "Mission Wiedergutmachung" für das letztjährige Debakel starten. Obwohl Miami im April mächtig Sand im Getriebe hatte und New York trotz oder gerade wegen vieler Verletzungen einen kleinen Lauf startete, fängt jetzt alles wieder bei Null an. Die Heat wollen zeigen, dass die letzten Wochen eine selbst auferlegte Erholungsphase waren, während die Knicks ihre erste Playoff-Partie überhaupt seit 2001 gewinnen wollen.


Stärken/Schwächen

Miami's grosses Plus liegt natürlich in der Kaderspitze, wo man den wohl besten Spieler der Liga (LeBron James), einen weiteren Top-10 Spieler (Dwyane Wade) und einen dritten All-Star aufbieten kann. Die drei Busenfreunde sind für rund 70 Punkte pro Partie gut und tragen für gewöhnlich die gesamte Verantwortung. Die Heat pressen, was die Beine her geben und nutzen jeden Ballbesitz am liebsten zu schnellen Kontern, wo sie ihre überragende Athletik ausspielen können. Die Defensive gehört zu den besten der Liga - Miami ist hinter Chicago die einzige Mannschaft, die sowohl in der Offense als auch in der Defense unter den Top-5 rangiert. Zu Hause ist Miami fast unmöglich zu knacken (28-5). Die grossen Probleme fangen für den jungen, aber stockkonservativen Head Coach Erik Spoelstra erst dann richtig an, wenn er zu seiner Bank muss. Spieler wie Mario Chalmers, Shane Battier und Norris Cole haben sämtliches Wurfgefühl verloren und müssen das schnellstens wieder finden, damit die Saison nicht wieder in einem Desaster endet. Eine der spannendsten Fragen wird sein: wie schnell kann Miami den Rost ablegen, und wie gut verkraftet die softe Heat-Psyche den mentalen Dauerdruck? Alles ausser dem Titel wäre eine absolute Katastrophe.

Die Knicks haben sich dank Tyson Chandler und Rookie-Bulldogge Iman Shumpert zu einem der besten Defensivteams der Liga entwickelt (Platz 4). Der neue Coach und ehemalige Assistant Mike Woodson hat daran grossen Anteil. New York muss defensiv am Limit agieren, um ein offensives Heat-Feuerwerk zu verhindern. Können die 'Bockers Miami in uneffektive Isolations-Sets drängen, anstatt Fast Breaks und leichte Punkte zu erlauben? Die eigene Offensive wird mit Sicherheit in die Hände von Carmelo Anthony gelegt, der seit Wochen heiss brennt wie glühende Lava und in direkten Duellen gegen James immer seine besten Performances zeigt. Für maximalen Erfolg muss 'Melo auf der Vier eingesetzt werden - so spielten die Knicks in diesem Jahr am besten. Spieler wie JR Smith und Steve Novak können von der Bank ein echtes Feuerwerk entfachen (NY hat in den drei Saisonspielen gegen Miami 34 zu 10 Dreier versenkt) und müssen die zweite Garde der Heat entscheidend ausstechen. Das grosse Manko für New York bleibt die Offensive. Man kommt nicht gut in seine Sets, was definitiv mit dem Frankenstein'schen Monster auf der Eins zu tun hat: sterbliche Überreste von Baron Davis und Mike Bibby wurden provisorisch zu einem überforderten Point Guard Korpus zusammen geschustert, das mit dem Punkten, Assistieren und Verteidigen vollkommen überfordert ist. Jeremy Lin könnte hier Abhilfe schaffen, ist aber weiterhin verletzt und nicht einsatzbereit.


Matchup-Vorteile

PG: -
SG: Heat
SF: -
PF: Heat
C: Knicks
Bank: Knicks
Coach: -


Prognose

Die Heat können froh sein, dass sie es in der ersten Runde mit New York zu tun bekommen - der passende, mittelschwere Gegner, um aus der April-Lethargie zu erwachen und die fliegende Todesmaschine fein zu justieren. Wenn zwei Bank-Akteure einen halbwegs produktiven Tag erwischen, ist Miami kaum zu schlagen. Knicks-Coach Woodson wird sich gut überlegen müssen, wie er die Personalie Stoudemire handhaben will. Das Team harmoniert mit einem "kleinen" Melo-Chandler Frontcourt prächtig, während sich die Anthony/Stoudemire/Chandler Kombination seltsam doof und erschreckend ineffizient präsentiert. Nur wenn Woodson Stoudemire weiter früh abzieht und später mit der Ersatzformation bringt, die Dreierschützen heiss laufen und die Defensive um Chandler herum nicht vollständig implodiert, haben die Knicks eine reelle Chance. Die Stardichte in diesem Duell ist hoch, das Matchup wird emotional und unterhaltsam, soviel steht fest. Spike Lee zählt schon die Sekunden bis zum ersten Tipoff. Insgesamt stehen für die Knicks aber zu viele Fragezeichen im Raum. Angesichts der langen Heat-Ruhephase und deren sicherlich wieder gewonnenen Fokus, jetzt wo es endlich wieder um etwas geht, sind kaum mehr als eins bis zwei Achtungserfolge im heimischen Madison Square Garden drin.

nbachef meint: Miami in 6