19 April 2012


James Harden explodierte gestern Nacht beim Auswärtssieg in Phoenix und stellte mit 40 Punkten (von der Bank, wohlgemerkt) eine neue Karrierebestmarke auf. Wer ihn nicht schon vorher als klaren und einzig logischen Sieger im '6th Man of the Year' Rennen auf dem Notizzettel hatte, kommt spätestens nach der Leistung nicht mehr drum herum. Eine perfekte Gelegenheit also, Euch ein Exzerpt aus folgendem Feature zu präsentieren, das vor wenigen Wochen auf NBA.com erschien:


Oklahoma City hat seinen steten Aufstieg zur absoluten Spitzenmannschaft komplettiert und gilt mittlerweile dank der zweitbesten Bilanz in der Western Conference (45-17) als einer der ganz grossen Meisterschaftsfavoriten. Neben Kevin Durants Scoring und Russell Westbrooks Nonstop-Attacken ist vor allem James Hardens Ausgeglichenheit für den durchschlagenden Erfolg des Donners entscheidend mit verantwortlich..

Der 22-jährige Shooting Guard mit dem markanten Vollbart ist in seinem dritten Profijahr zum besten Reservespieler der Liga herangereift. Der Titel des "6th Man of the Year" ist ihm nicht mehr zu nehmen. Mit 16.8 Punkten, 4.1 Rebounds und 3.7 Assists pro Abend stellt Harden viele NBA-Starter in den Schatten und verweist alle anderen Auswechselspieler auf die Plätze. Als ausgefuchster Linkshänder mit einem unglaublichen Gefühl für das Spiel und extrem effizienten Wurfquoten erinnert er stark an einen ehemaligen 6MOY: Manu Ginobili. Wie der Argentinier kann auch Harden nicht nur selber ausgiebig punkten, sondern floriert vor allem als Passgeber und "glue guy", der seine Mannschaft zusammen hält und in allen Belangen besser macht.

"Er ist für uns zu einem absoluten Schlüsselspieler geworden. Wenn er gut spielt, sind wir nicht zu schlagen" sagt sein Teamkollege Kevin Durant über ihn. Und verweist damit indirekt darauf, dass Harden heimlich, still und leise zum X-Faktor für Oklahomas Championship-Träume geworden ist. Die Medien widmen seinem beliebten Bart mehr Aufmerksamkeit als seinem Spiel, aber es ist letzteres, das ihn in dieser Saison zurecht in die All-Star Konversation gehievt und den Thunder zur Übermannschaft gemacht hat.

Nach einer erfolgreichen College-Karriere an der Universität von Arizona wurde Harden 2009 an dritter Stelle gedraftet. Viele kritisierten den Pick und hätten lieber Tyreke Evans, Stephen Curry oder DeMar DeRozan in OKC gesehen. Thunder-GM Sam Presti, der schon aus Prinzip nicht falsch liegen kann, wusste aber schon damals um die Stärken des kräftigen 1,96m Guards und blieb seinem Kurs treu. Er liess sich nie beirren und verwies lieber auf Hardens 9.9 PPG als Rookie, anstatt sich von dessen Zurückhaltung und Passivität verunsichern zu lassen. "Als James dann begriff, wie die Liga funktioniert und was genau seine Rolle ist, begann er seine Fähigkeiten zu perfektionieren. Jetzt dominiert er", erklärt Russell Westbrook den Lernzuwachs seines Backcourt-Kollegen.

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Hardens Fähigkeiten, den Ball im "Triple Threat Modus" wie eine durchlässige Membran durch seine Hände gleiten und seinen berühmteren Teamkollegen der Scoring-Vortritt zu lassen, verleiht dem Spiel des Donners einen alles entscheidenden Vorteil. Der Bart fungiert als Stoßdämpfer und hat so aus einem potentiellen Problem (die Westbrook/Durant Dynamik) eine Basketball-Urgewalt gemacht. Durant und Westbrook sind nach wie vor die Stars in Oklahoma. Aber James Hardens unsichtbar-effizientes Spiel ist das letzte und alles entscheidende Teilstück im Championship-Puzzle.