25 Juli 2017

25. Juli, 2017


Die NBA-Offseason schien gerade so ein wenig in den Leerlauf zu schalten. Die großen Namen hatten neue Verträge unterschrieben, die Trade-Spekulationen um Jimmy Butler und Paul George sich in Trade-Realitäten umgewandelt. Einzig in Cleveland glimmte noch ein kleines Feuerchen aus GM-Suche, LeBrons 2018er Free Agency und dem viel zu ruhigen Sommer, der mit der eventuellen Verpflichtung von Derrick Rose „gekrönt“ werden sollte.

von CHRISTOPH LENZ @NBAKenner

Doch während die ersten hauptberuflichen NBA-Journalisten bereits auf dem Weg in den verdienten Sommerurlaub waren, kippte ESPNs hauseigener Cavs-Insider Brian Windhorst einen XXL-Kanister Benzin auf das Feuerchen in Cleveland, wo nun eher ein Inferno wütet.


Kyrie Irving hat Teambesitzer Dan Gilbert in einem Gespräch letzte Woche um einen Trade gebeten! Der Grund ist laut Windhorst, das Irving gerne stärker im Zentrum einer Offensive stehen möchte und ganz konkret nicht mehr mit LeBron James zusammenspielen will.

Auswirkungen
Die Cavs stehen nun vor einer massiv zukunftsweisenden Entscheidung, die im groben drei Ausprägungen (wie immer natürlich mit unendlich vielen Schattierungen) haben kann:

1. Irving halten
2. Irving traden - für Veteranen, die sofort und kurzfristig helfen
3. Irving traden - für Talente und Draft-Picks, die langfristig helfen


Eine besondere Würze entsteht natürlich durch die Kombination mit den Gerüchten, dass die Chance auf einen erneuten Abgang von LeBron im nächsten Sommer zumindest nicht null sind. Über die Validität dieser Gerüchte, die erstmals von Kevin O’Connor und Bill Simmons von The Ringer artikuliert wurden, gibt es spätestens seitdem auch Zach Lowe und Adrian Wojnarowski ganz offen darüber sprechen, keine Zweifel mehr.

Die Situation wirft viele Fragen auf: Will Cleveland jetzt versuchen dem Heimkehrer zu schmeicheln und ihm durch die Verpflichtung von Carmelo Anthony und/oder Dwyane Wade einen Abgang schwerer zu machen?


Will Besitzer Gilbert seine Macht demonstrieren, indem er sich am langfristigen Wohl der Franchise, welches dem kurzfristigen Wohl des LeBron James entgegensteht, orientiert? Könnte die Organisation sogar so weit gehen, mit einem extrem auf die Zukunft ausgerichteten Trade zu versuchen, King James dazu zu bringen, seine No Trade Klausel zu ignorieren, um auch für ihn Gegenwert zu generieren?

Obwohl Kyrie keinen Einfluss auf einen möglichen Trade hat, da er anders als z. B. Carmelo Anthony und LeBron James keine No-Trade Klausel im Vertrag stehen hat, hinterlegte er beim Gespräch mit Gilbert eine Liste mit Teams, zu denen er am liebsten getradet werden möchte.


Die vier Teams seiner Wahl sind die New York Knicks, die Miami Heat, die San Antonio Spurs und die Minnesota Timberwolves. Da diese Liste aber keine faktische Bedeutung für die Verhandlungen der Cavs haben sollte, beschränken sich die folgenden Trade-Ideen nicht auf die genannten Teams.

Trades

Miami Heat

CLE: Goran Dragić, Justise Winslow, Josh Richardson
MIA: Kyrie Irving

Endlich hätten die Heat wieder ihren Superstar. Wenn dieser aus Cleveland käme, wäre das schon ein wenig bizarr, denn nach diesem Star sucht Pat Riley seit dem Abgang von King James, der bekanntlich aus Cleveland kam und genau dorthin zurück ging, vergeblich.

Für die Cavs bringt dieser Trade einen fähigen Sofort-Ersatz für Kyrie in der Starting Five, sowie zwei talentierte Spieler, die schon jetzt flexibel einsetzbar in die Rotation finden können. Gleichzeitig bringen Winslow und Richardson eine gewisse Upside mit und stellen damit ein potentielles Fundament für die etwas fernere Zukunft der Franchise dar.


Phoenix Suns

CLE: Eric Bledsoe, Marquese Chriss
PHX: Kyrie Irving

Ein solcher Trade gäbe den Cavs mit Bledsoe, einem der eher unterbewerteten Spieler der Liga, einen unmittelbaren Ersatz auf der Point Guard Position. Dass er zudem noch einer der engeren Vertrauten von LeBron James ist, der kürzlich auch als Gast bei Bledsoes Hochzeit erschien, mindert das Interesse seitens Cleveland sicherlich nicht.


Dazu kommt noch ein talentierter, vielseitiger junger Spieler in Marquese Chriss, der in einer reduzierten Rolle von der Bank eventuell schon jetzt positiven Einfluss ausüben kann, dessen Wert aber sicherlich in der ferneren Zukunft liegt, wodurch dieses Paket einen interessanten Mix aus Gegenwart und Zukunft darstellt.


Milwaukee Bucks

CLE: Khris Middleton, Jabari Parker, Matthew Dellavedova
MIL: Kyrie Irving, Iman Shumpert 

Dieser Vorschlag ist eine gemischte Tüte, deren Inhalt den Cavs teils (sehr) bekannt ist, teils eine völlige Wundertüte darstellt. Middleton und Dellavedova können in jedem Fall gute Partner für LeBron James sein, da sie den so sehr gesuchten 3&D-Spielertypus so sehr verkörpern wie wenig andere NBA-Spieler ihrer jeweiligen Position.


Wenn Jabari Parker dann (voraussichtlich erst nach dem All-Star Break) von seinem zweiten Kreuzbandriss so zurückkommt wie vom ersten, haben die Cavaliers eine echte Waffe in ihren Reihen. Die Bucks bekämen in Kyrie Irving die dringend benötigte Offensiv-Power und wären defensiv in der Lage, die Schwächen des gebürtigen Australiers zu kaschieren.


New York Knicks & San Antonio Spurs

CLE: Carmelo Anthony, Danny Green
NYK: Kyrie Irving, Iman Shumpert
SAS: Frank Ntilikina 

Dies wäre einer von mehreren Wegen, auf denen Carmelo Anthony nach Cleveland kommen könnte. Diese Variante ist besonders charmant, da die sehr unterschiedlichen Bedürfnisse der beteiligten Teams gut widergespiegelt werden und eine durchaus realistische Chance besteht, dass am Ende alle drei Teams ihren Zielen ein Stück näher kommen.

Die Cavs können im letzten Vertragsjahr von LeBron nochmal den Titel attackieren, die Knicks beenden ihr Melodrama und bringen gleichzeitig einen sicheren Star in den Big Apple, während die Spurs sich wieder einen jungen französischen Point Guard sichern, tmit dem (und dem zusätzlich gesicherten Capspace im Sommer 2018) sie die Weichen für eine weiterhin erfolgreiche Zukunft um Kawhi Leonard stellen können.

Ausblick
Um die Lage der Dinge aus Cavs-Sicht positiv bewerten zu wollen, gehört schon eine ordentliche Portion Fantasie dazu. Vielleicht kann James die Enttäuschung, die er laut übereinstimmenden Medienberichten verspürt, in Wut und die wiederum in weitere übermenschliche Leistungen umwandeln.


Vielleicht kann der Gegenwert, der für Kyrie ins Team kommt, sogar ein Upgrade darstellen, wenn die Überlegung eines Wechsels bei Kyrie, wie von Windhorst berichtet, bereits im Sommer nach dem Titel 2016 existierte.

Vielleicht bewegt ein Jahr an der Seite von Melo oder Bledsoe LeBron James doch dazu, einen neuen Vertrag in Cleveland zu unterzeichnen. Vielleicht enthält das Trade-Paket einen jungen Spieler oder Pick, der den Erfolg auch nach der Ära LeBron in Cleveland halten kann.

Was bei all diesen „vielleichts“ sicher scheint ist, dass die Cleveland Cavaliers dafür Sorge tragen, dass wir auch in diesem Sommer weiterhin an die NBA denken, über sie sprechen und über sie schreiben werden.