23 August 2017

23. August, 2017


Der Sommer 2017 geizt an spektakulären Wechseln in der Free Agency, dafür laufen die Blockbuster allesamt über den Trade Block. Seit Juni haben einige der größten Namen der Liga freiwillig oder unfreiwillig ihre Farben gewechselt und spielen ab Oktober in einer anderen Stadt. Um die wichtigsten Deals artgerecht zu servieren – ein kompakter Überblick in chronologischer Reihenfolge über die (bislang) sechs wichtigsten Trades.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick


Doppeltes Saubermachen

Der Trade

BKN: D'Angelo Russell, Timofey Mozgov
LAL: Brook Lopez, 2017 1st Round Pick (#27, Kyle Kuzma)


Nets

Das nicht mehr für möglich Gehaltene ist eingetreten: Brooklyn tradet Brook Lopez – ihren langjährigen Center, 2008 gedraftet, als das Team noch in New Jersey angesiedelt war. Lopez verfügte seit Jahren über eine Dauerkarte in der Gerüchteküche, „überlebte“ dennoch jede Trade Deadline.

Ein Jahr vor Vertragsende hat es ihn nun doch erwischt und er wird kommendes Jahr für die Los Angeles Lakers spielen. Brooklyn holt sich für Lopez exakt das ins Haus, was nach dem All-In Move vor vier Jahren (Kevin Garnett, Paul Pierce und Jason Terry für einen Stapel Draft Picks) abhanden gekommen ist: Eine Perspektive.

Diese heißt D'Angelo Russell, wurde 2015 an zweiter Stelle von den Lakers gedraftet, kam mit vielen Vorschusslorbeeren in die Stadt der Engel – und wurde ihnen bisher nicht gerecht. Der erst 21-jährige Combo Guard wird nun zum Hoffnungsträger, Anführer und Franchise Player der chronisch untalentierten Nets. Brooklyn ist jetzt „sein“ Team, was die Lakers niemals waren.


Der zusätzliche Preis für Russell, die Akquisition Timofey Mozgovs, der immer noch auf einem der miesesten Verträge der Liga sitzt (48 Mio. $ bis 2020, vollständig garantiert), demonstriert, dass die russische Connection in Brooklyn allen Gerüchten über einen Verkauf Mikhail Prokhorovs zum Trotz Bestand hat.

Lakers

Magic Johnson fegt seit seinem Amtsantritt als starker Mann im Staples Center weiter mit Nachdruck den Scherbenhaufen seiner Vorgänger auf. Eine der größten war Russell: Nicht nur, dass dieser den hohen Erwartungen kaum gerecht worden ist – in Jordan Clarkson sowie dem frisch gedrafteten Lonzo Ball verfügen die Lakers über genügend junges Blut im Backcourt. Der Trade entschärft prophylaktisch interne Unruhen.

Für solche ist D'Angelo allemal gut: Der nach Brooklyn Fortgeschickte hat sich mit der Kompromittierung seines damaligen Teamkollegen Nick Young – Russell filmte „Swaggy P“ heimlich, als er ihn zu dessen amourösen Eskapaden ausfragte und veröffentlichte das Video anschließend – nicht allzuviele Freunde im lila-goldenen Locker Room gemacht.

OFFICIAL: Lakers Acquire Brook Lopez, Kyle Kuzma in Trade With Brooklyn

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Beim im Gegenzug akquirierten Brook Lopez hält sich das sportliche Interesse in Grenzen, wenngleich es sich bei ihm um einen der besseren offensiven Center der Liga handelt. Denn der 29-Jährige wird nächstes Jahr Free Agent und setzt dann über 22,5 Mio. $ Cap Space frei, den die Lakers für ihre großen Pläne etwa um LeBron James, Paul George und/oder Russell Westbrook dringend benötigen werden und mit dem miserablen Vertrag Mozgovs nicht gehabt hätten.

Fazit

Vorteil Beide


Dwightmare Ep. X

Der Trade

ATL: Marco Belinelli, Miles Plumlee, 2017 2nd Round Pick (#41, Tyler Dorsey)
CHA: Dwight Howard, 2017 2nd Round Pick (#31, Frank Jackson)


Hornets

Gerade einmal vier Jahre ist es her, seit Dwight Howard als einer der begehrtesten Free Agents des Sommers die Qual der Wahl hatte. Die Charlotte Hornets waren zur dieser Zeit kein ernstzunehmender Kandidat für die Dienste des damals noch elitären Centers – kleiner Markt, kaum Historie, wenig Zuschauer.

Seither haben sich die Gegebenheiten umgekehrt und Howard muss nach einem (mit gutem Willen) mäßigen Jahr in seiner Heimatstadt Atlanta froh sein, überhaupt noch einmal bei einem NBA-Team eine prominente Rolle einnehmen zu dürfen.


Charlotte hofft mit diesem Trade nicht nur auf Medienaufmerksamkeit – Dwight ist immer noch einer der bekanntesten Namen der Liga –, sondern auch auf eine Renaissance des einstigen dreifachen Defensive Player of the Year. Da sie den 31-Jährigen praktisch geschenkt bekommen, entsteht zumindest kein wirtschaftlicher Schaden.

Ob der augenscheinlich unbelehrbare Peter Pan bei den Hornissen glücklicher wird als letzte Saison bei den Hawks oder im Jahr zuvor bei Rockets steht stark in Zweifel. Vielmehr wird er auch im beschaulichen Charlotte eine echte Gefahr für die Teamchemie sein. Zumindest passt er mit seiner defensiver Präsenz besser ins System als bei seinen beiden vorherigen Stationen.

Hawks

Vergangenen Sommer versuchte Atlantas Führung mit der Addition Howards krampfhaft, die eigene Wettbewerbsfähigkeit aufrecht zu erhalten, was sich infolge Al Horfords Abgang allerdings erledigt hatte und in einem weiteren chancenlosen frühen Playoff-Aus mündete.

Nach einigem Zaudern der sportlichen Führung haben die Falken den unvermeidlichen Reset nun eingeleitet. Für sie geht es in diesem Trade einzig darum, den extrovertiert-lautstarken Howard loszuwerden, um sich in Ruhe für die sportliche Zukunft aufzustellen. Dafür bezahlen sie mit dem Pick Swap einen beachtlichen Preis und verzichten völlig auf einen Gegenwert.


Miles Plumlee hat keine sportliche Relevanz, wird aber bezahlt, als hätte er sie (37,5 Mio. $ bis 2020, vollständig garantiert). Marco Belinelli war bei den San Antonio Spurs ein signifikanter Rollenspieler, agiert jedoch wie so viele andere außerhalb von Spurs Coach Gregg Popovichs System nur noch gelegentlich profitabel auf dem Parkett. Immerhin werden beide keine Unruhe ins Team und Umfeld bringen. Reißleine gezogen – doch der Schaden ist angerichtet und wird mit diesem Trade nur noch begrenzt.

Fazit

Nachteil Beide


The Band is back together

Der Trade

CHI: Zach LaVine, Kris Dunn, 2017 1st Round Pick (#7, Lauri Markkanen)
MIN: Jimmy Butler, 2017 1st Round Pick (#16, Justin Patton)


Bulls

Zeiten ändern sich. Vor einigen Jahren noch waren die Bulls ein solide geführtes Teams mit ernstzunehmenden Ambitionen auf den Titel, während bei den Timberwolves – Stichwort David Kahn – ein Facepalm den nächsten jagte. Heute ist es genau umgekehrt: Die Wölfe haben den Weg zurück in die Spur gefunden, Chicago stürzt ins Chaos. In den letzten zwölf Monaten hat deren Management so ziemlich alles falsch gemacht und die eigenen Fehler mit einem aus Bulls-Sicht miserablen Trade gekrönt.

Dass der sechsfache Champion in Jimmy Butler seinen besten Spieler tradet ist prinzipiell nicht verkehrt – die Bullen waren infolge der schlechten Entscheidungen der letzten Jahre festgefahren, ein Rebuild unausweichlich. Allerdings hat das Führungsduo Gar Forman und John Paxson (alias „GarPax“) den richtigen Zeitpunkt verpasst und daher ein Angebot angenommen, welches dem Marktwert des 27-Jährigen nicht gerecht wird.

Kris Dunn hat in seinem Rookie-Jahr die NBA-Tauglichkeit vermissen lassen. Zach LaVine zwar einen großen Schritt nach vorne gemacht, sich dabei aber schwer verletzt – Perspektive fraglich. Lauri Markkanen wird wie viele europäische Bigs vermutlich mehr als ein Jahr Eingewöhnungszeit benötigen. Dass die Bulls zu diesem unterwältigenden Paket sogar sogar noch ihren eigenen Erstrundenpick drauflegen, erschwert sämtliches Verständnis für „GarPax“.


Zwar hat Chicago den wichtigsten Punkt, die radikale Verjüngung, erfüllt und gleichzeitig mit versatilen Spielern wie LaVine und Markkanen seinen spielerischen Horizont erweitert. Dennoch bleibt angesichts der weggeworfenen Spielzeit 2016/17 und des geringen Erlöses für einen der besten Spieler der Liga ein äußerst ranziger Nachgeschmack.

Timberwolves

Die Wolves waren schon im Vorjahr sehr nahe dran, Jimmy Butler mit seinem Ex-Coach Tom Thibodeau wiederzuvereinen. Damals hatte ein Angebot rund um den fünften Pick den Bulls nicht genügt und nachdem diese infolge der Akquisitionen Dwyane Wades und Rajon Rondos an die eigene Wettbewerbsfähigkeit glaubten, war der Deal vorerst vom Tisch.

Ein Jahr später bezahlen die Wölfe dank der Planlosigkeit der Gegenseite wahrscheinlich weniger, als sie vergangenes Jahr oder zur Deadline für Butler geboten haben und setzen damit ein Ausrufezeichen im Kampf um den ersten Einzug in die Playoffs der Franchise seit 2004.

LaVine, Dunn und Markkanen sind angesichts der gestiegenen Ambitionen entbehrlich. Butler ist hingegen – insbesondere unter diesen Bedingungen (ca. 20 Mio. $ pro Jahr bis 2020) – für die Wolves ein echter Hauptgewinn. Zusammen mit Andrew Wiggins und Karl-Anthony Towns bildet er einen sehenswerten Kern und bringt eben die defensive Härte ins Land der 10 000 Seen, die Thibodeau im letzten Jahr sehnlichst vermisste (26. in Defensiver Effizienz).


Mit der Addition von „Jimmy Buckets“ bekommt Minnesota die Art von herausragender Qualität, die sie seit dem Abgang Kevin Garnetts nicht mehr im Target Center gesehen haben. Butler ist eigenwillig, aber an beiden Enden des Feldes formidabel, außerdem ein legitimer Anführer für die jungen Wölfe.

Thibs arbeitet derweil akribisch daran, seine alte Bulls-Truppe (60 Siege in der Saison 2010/11) wieder zusammen zu bringen. Butler und Taj Gibson sind angerückt – und vielleicht werden Joakim Noah und Luol Deng im Laufe der Saison aus ihren Verträgen gekauft.

Fazit

Vorteil Timberwolves


Houston hebt ab

Der Trade

HOU: Chris Paul
LAC: Patrick Beverley, Lou Williams, Sam Dekker, Montrezl Harrell, Darun Hilliard, DeAndre Liggins, Kyle Wiltjer, 2018 1st Round Pick (HOU)


Rockets

Mit der Addition von Chris Paul gelingt den Raketen ein echter Coup – vielleicht auf lange Sicht sogar der Coup des Sommers. Paul selbst und Houstons Playmaker James Harden lancierten diesen Wechsel, denn für beide war die Last auf den Schultern bei ihren jeweiligen Teams zu groß. Nun teilen sich zwei der besten Aufbauspieler der Liga die Orchestration des Houstoner Angriffs und eröffnen Coach Mike D'Antoni bisher nicht dagewesene Möglichkeiten.


Der nach L.A. transferierte Gegenwert schmerzt die Raketen nur temporär – in P.J. Tucker, Luc Mbah a Moute und Tarik Black kommt aus der Free Agency gleichwertiger, wenn nicht sogar besserer Ersatz nach Texas. Auch der Draft Pick, mutmaßlich im Bereich #27 bis #29, ist für die Rockets entbehrlich.

Fehlen wird ihnen vor allem Patrick Beverleys Kettenhund-Mentalität, allerdings war der 29-Jährige aufgrund ebendieser Spielweise stets verletzungsanfällig. Außerdem sank Beverleys Signifikanz in der Offensive zuletzt infolge Hardens Wechsel auf die Point Guard Position.

Das Duo Harden/Paul, unterstützt vom frischgebackenen 6th Man of the Year Eric Gordon, ist eine Kampfansage: Nicht nur an den innertexanischen Rivalen aus San Antonio, der die Rockets in den Conference Semi-Finals noch in die Knie zwang. Houston will den Platzhirsch, die Golden State Warriors, angreifen. Mit Chris Paul im Kader sind sie diesem Ziel einen gewaltigen Schritt näher.

Clippers

Lob City ist nicht mehr – Chris Pauls Abgang markiert das Ende einer unvollendeten Ära. Dieses Scheitern ist die Konsequenz aus Verletzungspech, Nervenschwäche in den Playoffs sowie Doc Rivers' verfehlter Personalpolitik. Während CP3 sein Glück nun in Texas sucht, haben die Clippers ihren besten Spieler zumindest nicht ohne Gegenwert ziehen lassen müssen.


Das Paket aus Houston hilft L.A. in erster Linie dort, woran Paul als Kopf dieser Mannschaft immer wieder scheiterte – an der Tiefe. Patrick Beverley wurde ebenso wie sein Vorgänger ins All-Defense First Team gewählt und trifft den Dreier solide. Lou Williams ersetzt den nach Atlanta getradeten Jamal Crawford eins zu eins in seiner Funktion als Mikrowelle von der Bank. Sam Dekker bringt neben Jugend und Upside eine weitere wichtige Alternative von der Bank. Montrezl Harrell ist als Projekt hinter den Big Men DeAndre Jordan und Blake Griffin zumindest zukünftig eine Option. Der Rest ist zu vernachlässigen.

Weil L.A. außerdem in Danilo Gallinari und Miloš Teodosić weitere Qualität eingekauft hat, verhindert Steve Ballmers Team zumindest den Super-GAU. Selbst im harten Westen sind die Clippers weiterhin ernstzunehmen und unter den sichereren Playoff-Kandidaten. Den schweren Weg in den Rebuild umgehen sie. Wegen Pauls Abgang stehen dennoch einige großen Fragezeichen über Jahr eins nach Chris Paul. Von den Conference Finals spricht im Staples Center vorerst niemand mehr (außer vielleicht LaVar Ball).

Fazit

Vorteil Rockets


Pritchards geistige Umnachtung

Der Trade

IND: Victor Oladipo, Domantas Sabonis
OKC: Paul George


Pacers

Zugegeben: Nach Larry Birds überraschendem wie konsequenten Rückzug aus dem Front Office der Pacers sowie der öffentlichen Abschiedsankündigung Paul Georges – beides unmittelbar vor dem Beginn der Free Agency im Juli – war die Lage zum Amtsantritt für Birds Nachfolger Kevin Pritchard ziemlich undankbar.

Ob er mit der Situation überfordert war, dem Druck nicht gewachsen oder einfach von einem Augenblick der Debilität übermannt wurde: Pritchard hat mit einer seiner ersten Amtshandlungen Franchise Player Paul George im Tausch für ein indiskutabel schlechtes Paket nach Oklahoma City geschickt, einen der miesesten Trades der modernen NBA-Geschichte verantwortet, der Indiana wortwörtlich wie metaphorisch noch teuer zu stehen kommen wird.

Zur Erinnerung: Die Pacers hatten im Februar ein Angebot über vier(!) Erstrundenpicks für ihren besten Mann auf dem Tisch liegen – lehnten es ab. Kurz vor dieser Farce eines Trades war Gary Harris von den Denver Nuggets (vergangene Saison 14,9 Punkte pro Spiel, mit ca. 2,5 Mio. $ Gehalt 2017/18 ein wandelndes Schnäppchen) in einem vorgeschlagenen Three Team Deal mit den Cleveland Cavaliers schon fast in Indiana – Pritchard machte einen Rückzieher. Beide Trades hätten Indianapolis deutlich besser zu Gesicht gestanden.


Stattdessen tragen nun Victor Oladipo und Domantas Sabonis das Trikot der Pacers. Kein zusätzlicher Pick, nicht einmal ein 2nd Rounder. Oladipo wird wie ein All-Star bezahlt (84 Mio. $ bis 2021, voll garantiert), hat aber in seinen vier Spielzeiten in der NBA höchstens bewiesen, dass er als erste oder gar zweite Option nicht taugt. Bei den Thunder funktionierte er nicht einmal als Robin zu Batman Westbrook.

Sabonis geht in sein zweites Jahr und hat zumindest die Anlagen, sich zu einem soliden NBA Center-Forward zu entwickeln. Mehr aber auch nicht. Kurzum: Indiana erhält für einen der besten Two-Way-Player der Liga als Gegenwert einen mit viel guten Willen mittelmäßigen Flügel ohne Wurf sowie einen weitgehend unerprobten Big Man. Das macht die so traditionsreiche Franchise zur Lachnummer des Sommers.

Thunder

GM Sam Presti wird auch einige Wochen nach dem Trade sein Glück (respektive das Unvermögen seines Kollegen am anderen Ende der Leitung) noch nicht fassen. Dass er auf sein eigentlich unverschämtes Angebot überhaupt eine Antwort erhalten hat, ist bereits zu viel des Altruismus.


So wird OKC zu einem der glücklichen Gewinner des Sommers: Die Addition Paul Georges bringt die Thunder ein Jahr nach dem tränenreichen Abgang Kevin Durants aus einem festgefahrenen Zustand zurück auf die Landkarte der Western Conference. Georges pures Talent entlastet MVP Russell Westbrook auf ganzer Linie, er hievt OKC offensiv wie defensiv auf ein neues Level.

Das große Manko aus Sicht der Thunder, Georges 2018 auslaufender Vertrag, gepaart mit seinen kaum verstohlenen unzüchtigen Blicken in Richtung der Heimat Los Angeles, darf angesichts der Rückkehr der Thunder in die sportliche Relevanz getrost ignoriert werden.

Sollte PG13 kommendes Jahr Oklahoma wieder verlassen, schaufeln sie immerhin infolge seines Abgangs Platz im Salary Cap frei und müssen die selbst eingebrockte Suppe in Form von Oladipos überzogenem Vertrag nicht auslöffeln.

Fazit

Vorteil Thunder


Und sie dreht sich doch – Bostons Rotationsscheibe

Der Trade

BOS: Kyrie Irving
CLE: Isaiah Thomas, Jae Crowder, Ante Žižić, 2018 1st Round Pick (BKN)


Celtics

Lange Zeit waren die Celtics Hauptkandidat für den nächsten Blockbuster-Trade, oben behandelte Namen wie Jimmy Butler und Paul George kreisten die ganze Saison hinweg über dem TD Garden. Nun hat der zögerliche Mann am Zepter Tatsachen geschaffen: General Manager Danny Ainge holt in Kyrie Irving einen vierfachen All-Star und NBA Champion samt Game-Winning Shot nach Boston.

Ein Grund zum Feiern für alle in Grün? Mitnichten. Irving ist jünger und talentierter als sein Vorgänger Isaiah Thomas und Ainge umgeht mit diesem Trade das Dilemma, nächsten Juli dem dann 29 Jahre alten Thomas als hochkalibrigen Free Agent einen der längsten und bestdotierten Verträge des Sommers vorlegen zu müssen.


Hier hört das Positive aber schon auf. Denn: Für das ausgerechnet zum aktuell größten sportlichen Rivalen verschickte Paket hätten die Celtics in erwähnten Butler oder George bessere und vielseitigere Spieler als Irving an die Ostküste lotsen können. Vor allem der Draft Pick der Brooklyn Nets hat infolge der Geschehnisse des Sommers, des harten Rebuilds gleich dreier Playoff-Teams (die oben aufgeführten Indiana Pacers, Atlanta Hawks und Chicago Bulls), deutlich an Wert eingebüßt.

In Jae Crowder verlieren die Celtics nach Avery Bradley das nächste defensive Standbein – Ersatz nicht in Sicht. Dass Crowder Absenz durch die Jungspunde Jaylen Brown und Jayson Tatum aufgefangen werden soll, zeigt einmal mehr Ainges Zaghaftigkeit. Die Fokussierung auf Zukunft statt Gegenwart kostete die Kelten oben erwähnte Ausnahmespieler und damit die Möglichkeit, sofort um die Championship mitzuspielen. Zudem hilft Thomas' Abgang nur wenige Monate nachdem er sich trotz des Todes seiner Schwester für die Kobolde aufopferte der eigenen Reputation kaum.

Boston wettet mit diesem Trade auf Irvings Selbstverständnis, eine Franchise erfolgreich anzuführen. An der Seite von Al Horford und Gordon Hayward mag diese Konstellation in der nicht einmal mehr mäßigen Eastern Conference für eine Top-Platzierung locker reichen. Für einen ernstzunehmenden Angriff auf die Cavaliers zumindest in der bevorstehenden Spielzeit jedoch einmal mehr nicht. Dafür haben die Celtics selbst gesorgt.

Cavaliers

Die Cavs befanden sich in einer nicht zu beneidenden Situation, seitdem Kyrie Irvings Wechselwunsch durchsickerte und damit dessen Trade-Wert torpedierte. Angeblich erhielten sie infolge dieses Lecks von einem Dutzend Teams Angebote für ihren No. 1 Pick des 2011 Drafts – bewahrten jedoch Contenance.

Mit Erfolg: Der nun aus Boston erhaltene Gegenwert festigt nicht nur ihre Rolle als Primus des Ostens, zumindest in der Saison 2017/18. Er rüstet sie auch für einen möglichen Abgang von LeBron James im nächsten Sommer. Außerdem sparen die tief in der Luxury Tax sitzenden Kavaliere mit diesem Trade eine Menge Geld.


Isaiah Thomas bringt an der Seite von LeBron und Kevin Love eine mindestens ähnlich große offensive Wucht wie der wechselwillige Irving und wird im Contract Year keinen Zweifel an seinen Qualitäten zulassen. Jae Crowder gibt den Cavaliers die nötige defensive Härte, die ihnen in den Finals gegen die feuerkräftige Armada der Golden State Warriors fehlte. Rookie Ante Ante Žižić lässt sich zu diesem Zeitpunkt nicht einschätzen.

Für die chronisch Pick-armen Cavs eröffnet jener der Nets einige Optionen, wenngleich er aus erwähnten Gründen aus der obersten Güteklasse fällt. Der neue GM Koby Altman kann bei Bedarf noch nachdrücklicher in den Win-Now-Modus schalten, um die Distanz auf die Warriors zu verringern, oder aber – mit oder ohne Isaiah Thomas – falls nötig mithilfe des Picks ein neues, junges Team aufbauen.

Fazit

Vorteil Cavaliers