20 Oktober 2017

21. Oktober, 2017


*"That’s f-----g bullshit" Joel "Big Baller" Beverley

von ANNO HAAK @kemperboyd

Der abstehende linke Fuß des Mannes, der auch mormonische Männer zur Entzündung gottloser Feuer aus Synthetikstoffen bringt, gibt mir Gelegenheit, mit einiger Verspätung meinen Senf zum Trade des Sommers zu geben. Go!

Bad Celtics Boy
Vielleicht sollten alle mal ihren Kopf aus den Regionen ziehen, in die die Sonne der Erkenntnis nie scheint. Für einen Spieler, der sich selbst zu einem für ihn und den Alt-Arbeitgeber denkbar ungünstigen Zeitpunkt auf den Markt gezwungen hat, so viele Assets zu verbraten, ist unwirtschaftlich. So lautet wohl die These. Im Vakuum betrachtet stimmt das sogar.

Zizic könnte noch wehtun, allerdings erst in rund vier Jahren. Und dann der Pick, Mann, der Pick. "Un. Ge. Schützt" und "Brooklyn". Eine schlimmere 4-Wort-Kombination ist für Kelten wohl nur "Len Bias" und "Draft 1986".

Mit Crowder dealt man nicht nur einen überragenden Flügelverteidiger. Man gibt überdies in Personalunion auch noch den wohl spielerfeindlichsten, besten und verschiffbarsten Deal der Liga her. Mit Thomas versenkt man den Publikumsliebling, der 24 Stunden nach dem schwestdenkbaren Schicksalsschlag Chicago fast im Alleingang umnietete, und dessen ca. 80 kg reines, goldenes Herz zu sein scheinen, für ein auf den ersten Blick marginales Upgrade auf der 1.

Denn Irving ist ein unsteter Chucker, der die Diagonale von der Birne in die linke Ecke nicht so sauber herunterspielt?!? Freunde, ernsthaft. Trades finden - wie der Rest des Lebens - nicht im Vakuum statt. Man muss den Blick schon etwas in luftbefüllte Räume weiten. In diesen Räumen tummelten sich vor allem Jimmy Butler und Paul George. Letzterer würde wohl heute grün tragen, hätte Pritchard nicht erst die Nerven und dann die Orientierung verloren.

Es war aber das, was der englische Muttersprachler "bold" nennt, auf den freien Mann Hayward zu setzen, und die Pacers zu vertrösten. Wäre der Jazzer in Salt Lake City geblieben, hätte Ainge ob des albernen Tausches der Pacers und der Thunder noch belämmerter geguckt als ohnehin schon immer. Teil 1 des Pokers ging auf, Teil 2 nicht. Weil die Pacers George nicht innerhalb der extrem kompetitiven Eastern Conference tauschen wollten. Dazu sind zwei Dinge zu sagen: es ist das bescheuertste Argument seit "at least we got Lavoy Allen". Und es lag nicht in Ainges Hand.

Doch ist das ohnehin vergossene Milch. Die Bulls haben Butler verschenkt, die Pacers haben aus einem George-Dollar 50 Oladipo-Cent gemacht. Im August 2017 war nurmehr Irving zu haben. Es war wohl Ainges letzte Chance auf ein Cash in. Stars - im Sinne von All NBA Teamern - sind eigentlich nur alle Jubeljahre per Trade zu haben.

Mit Cousins, Butler, George, Paul und jetzt Irving wechselten aber im letzten halben Jahr fünf der besten 20 der Liga per Tausch den Arbeitsplatz. Bei den anderen konnte oder wollte Ainge nicht zuschlagen, Irving war die Wild Card, die er noch hatte. So schön die Anlagegütersammlung war, von Deadline zu Deadline mit Jerome-James-breitem Pöppes darauf zu sitzen, hatte was von jemandem mit 30 cm-Schwengel, der Sex ablehnt, weil man sich dabei den Lörres brechen kann.

Kein KG 2.0, nirgends
Der Nets-Pick 2018 verlor spätestens seit Allen Crabbe (ja, solche Trades haben Einfluss auf die Landschaft im Osten, so schaurig das ist) schneller an Wert als die Lycos-Aktie im dritten Karrierejahr von Kevin Garnett.

Überhaupt Garnett, der Elefant im Raum. Den Homerun-Trade in Reminiszenz an 2007 gab es schlicht nicht. Das Kind war 2007 einer der fünf besten Spieler der Liga. Die sind so gut wie nie per Trade zu haben, was auch 2017 gilt. Curry, Harden und der MVP haben gerade den Geldspeicher gefüllt, Durant wollte schon 2016 nicht.

Popovich würde eher auf einer  Trump-Veranstaltung in Missouri sprechen als Kawhi zum Trade feilzubieten. LeBron James müssen wir wohl nicht ernsthaft diskutieren. Anthony Davis ist Pie an einem Himmel, an dem der Tradewert von Jungs wie Brown oder dem Brooklyn-Pick im nächsten Jahr, wer immer es wird, wolkig vor sich hin mäandert.

Unverständlich bleibt, dass die Celtics das wohl annähernd gleiche Paket wie jetzt für Irving zur Deadline im Februar partout nicht für Butler offerieren wollten. Am Ende soll es an Crowder gescheitert sein.

Der Plan
Der große Rahmen aber bleibt golden. Die Zeit spielt jetzt für Ainge statt gegen ihn. Wir sind bei Isaiah Thomas. Dass der nicht die Zukunft der Kelten sein würde, muss jedem klargewesen sein. "Renegotiate and extend" heißt das Schlagwort. Hätte man ja machen können. Seit 01.07.2017. Passierte nicht.

Ob man im Zusammenhang mit dem Mann, der selbst unter Schneewittchens Helfern kaum als Andre The Giant durchginge, demnächst die Worte "DePuy" und "Adept" lernen muss, mag dahinstehen. Er wird 29 und wird wie alle Midgets nicht gut altern, will aber 2018 160 Mio. Dollar sehen. "Show him the door" statt "show me the money", war das einzig Vernünftige.

*interlude*
Trikots von einem ohne Zustimmung getradeten (!) Spieler verbrennen, der im April Stunden nach dem Unfalltod seiner Schwester ein Playoffspiel durchzog? Wer immer Ihr seid, löscht Eure verdammte SM-Existenz und kommt nie, niemals wieder.
*interludeEnde*

Mit Irving, Hayward und Horford hat man jetzt den Warriors Minime-Kern, an dem Ainge schraubte, seit er Pierce, Garnett und Co. den Hinterausgang zeigte, durch den jetzt auch der Fanfavorit verabschiedet wurde. Drum herum tollen Eleven wie Brown, Tatum, Ainges Man Crush Rozier und Guerschon "Don't call me Draymond" Yabusele. 2020, wenn Bostons Zweitrundenpick nach Cleveland wandert, wird Boston Stand jetzt das abständig beste Team östlich der Apalachen sein (es sei denn, Philadelphia bleibt gesund, meh!).

Mehr war nicht drin, dafür hat man 2018 hergeschenkt. Das war nicht gut, das war richtig, dazu gab es - jedenfalls jetzt - keine...

Alternative
In einem Paralleluniversum teilen sich Fultz und Ben Simmons den Spielaufbau und füttern Butler und George wie Garpax die Kälber am Morgen. Aber in dieser Welt scheint die Sonne der Erkenntnis auch nicht.


LaWatch
Es ist Zeit für antizyklische Aufmerksamkeitsökonomie. LaVar Ball will Aufmerksamkeit wie ein kleines Kind Milchschnitte? Er soll sie bekommen, bis er als Erwachsener sagt, Milchschnitte hänge ihm zum Hals heraus.

Nach Proficlownkämpfern und Kyrie Irving bekam Patrick Beverley den Zorn des LaKhan zu spüren. Über den rede keiner, es sei denn, er bezeichne seinen Sohn als einen knochenärschigen Mutterbegatter. Achso, und einen Signaturschuh besitze er auch nicht.

Man muss LaVar Ball ja eines lassen: hot takes kann er. Man kann Patrick Beverley viel vorwerfen, unter anderem, dass auch intelligentere Leute als der BBB-Gründer seinen Namen nicht richtig schreiben können. Dass „keiner über ihn redet“, gehört meines Wissens nicht in die Reihe berechtigter Vorhaltungen. Lesen Sie nächste Woche hier, wie LaVar erklärt, warum Russell Westbrooks Schuhdeal langweilig und zu klein ist.

PS: LaVar brachte Stephen A. Smith zum Schweigen, ohne Skip Bayless zu sein. Cudos.


Fundstück der Woche
Heute gibt’s kein Bildchen. Es ist Tony Allen im Pelicans Trikot. Vielleicht liegt es an meinem extrasaisonalen Urlaub im September, aber: Wann ist das denn passiert? Keep ballin'!