08 Oktober 2017

8. Oktober, 2017


Nach Media Days, Trainingscamps und ersten Testläufen ist klar: das neue NBA-Jahr 2017/18 ist inoffiziell underways. Wir haben wie gewohnt alle 30 Mannschaften durchgecheckt und prognostizieren euch bis zum echten Start am 17. Oktober die kommende Saison. Heute: die Detroit Pistons.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick

Flashback
37-45, keine Playoffs

Plus
Avery Bradley
Langston Galloway
Luke Kennard
Anthony Tolliver
Eric Moreland

Minus
Marcus Morris
Kentavious Caldwell-Pope
Aron Baynes
Beno Udrih
Darun Hilliard
Michael Gbinije

Was ist Neu?
Der bereits voll ausgeschöpfte Salary Cap ließ Detroits Mann am Zepter, Stan Van Gundy, wenig Handlungsspielraum. So ist der von den Sacramento Kings geholte Flügelspieler Langston Galloway die einzig signifikante Akquisition der Free Agency.

Galloway trifft den Dreier ordentlich (vergangene Saison: 39%), das macht ihn zu einer willkommenen Verstärkung für das Team mit der schlechtesten True Shooting Percentage (52,1) sowie der drittschlechtesten Dreierquote (33%) der NBA.

Um dieses Manko zu beheben entschieden sich die Pistons außerdem im Draft an 12. Stelle für Luke Kennard (21), der in der High School und seinen zwei Jahren auf dem College bei den Duke Blue Devils als verlässlicher Scharfschütze in Erscheinung getreten ist.


In die Schlagzeilen schafften es die Pistons nur via Trade, als freundlicher Abnehmer von Avery Bradley, den die Boston Celtics notgedrungen abgeben mussten, um Platz auf der Gehaltsliste für Gordon Hayward zu schaffen. Der Abgang des im Austausch für Bradley an die Ostküste verschifften Marcus Morris lässt sich angesichts der Tiefe auf den Forward-Positionen mit Tobias Harris, Jon Leuer, Stanley Johnson und Reggie Bullock verschmerzen.

Bemerkenswert ist außerdem der Abgang von Kentavious Caldwell-Pope, weil es für einen Top 10 Pick ungewöhnlich ist, zum Ende des Rookie-Vertrags freigestellt zu werden. Mit den Neuzugängen Bradley und Galloway lässt sich KCPs Abgang sportlich zwar auffangen, dennoch haben die Pistons im Februar die Chance verpasst, für den 24-Jährigen wenigstens noch einen minimalen Gegenwert einzukassieren.

Beste Addition
Avery Bradley ...  Als reiner Abwehrspezialist in die Liga gekommen hat sich Bradley in seinen sieben Jahren bei den Boston Celtics zu einem ernstzunehmenden offensiven Faktor weiterentwickelt und Trefferquote wie auch Punkteausbeute kontinuierlich gesteigert, ohne dabei seine elitäre Defense zu vernachlässigen.

Der Wechsel nach Detroit ist für den 26-Jährigen ein Schritt aus dem Schatten von Rajon Rondo respektive Isaiah Thomas, die in seiner Zeit in Boston den Ton angaben. Im Backcourt der Pistons erwartet Bradley gestiegene Verantwortung an der Seite des zuletzt bestenfalls mittelprächtigen Reggie Jackson.


Eine Portion Extrawürze erhält die Personalie durch den auslaufenden Vertrag: Im Juli 2018 wird Bradley erstmals Unrestricted Free Agent. Das kommt seinem neuen Team einerseits zugute, weil er sich für einen hochdotierten Kontrakt empfehlen muss. Andererseits droht sein Gastspiel in Detroit ein allzu kurzes zu werden, sollte ihm kommenden Sommer eine andere Stätte verlockender erscheinen.

The Planet
Andre Drummond ... Und das fasst die Probleme der Pistons sehr gut zusammen. Der wuchtige Center wurde von der sportlichen Führung zum Franchise Player auserkoren und die insgesamt noch über 100 Mio. $ Salär bis 2021 unterstreichen diesen Status. Allerdings hat der 24-Jährige diesen stattlichen Vertrag bisher nicht gerechtfertigt. Sein Spiel stagniert und die eklatante Freiwurfschwäche (letztes Jahr 38,1%) ramponiert allabendlich die Siegesaussichten seines Teams, solange Hacking weiter nicht verboten wird.

Nach einem verlorenen Jahr ist es nun an Drummond, sich an seine All-Star Saison 2015/2016 zu besinnen und anstatt Ballast (Net Rating 2016/17: -6,3) zumindest wieder zu dem defensiven Anker werden, der maßgeblich zum Playoff-Einzug der Pistons in der vorletzten Spielzeit beitrug.

Rising Star
Tobias Harris ... Marcus Morris' Abgang schafft einen Platz in der Startformation sowie einige freie Minuten in der Rotation der Pistons. Auf beides hat sich Harris vergangene Saison als einer der besseren sechsten Männer der Liga nachdrücklich beworben. Der 25-jährige Combo Forward kann ein bisschen was von allem: Der Wurf fällt zuverlässig, er verteidigt mehrere Positionen und reboundet solide, Athletik und Arbeitseinstellung stimmen ebenfalls.

Unabhängig davon, ob Harris in die Starting Five rückt oder Coach/Teampräsident/Stadtherrscher Stan Van Gundy weiter auf Harris' positiven Einfluss auf die zweite Garde setzt – dank seiner Vielseitigkeit ist der Cousin von Channing Frye (Cleveland Cavaliers) einer der Hoffnungsträger auf den endgültigen Durchbruch und sogar ein Außenseitertipp auf den Most Improved Player Award.

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Don’t Sleep! 
Reggie Jackson ... Die vergangene Spielzeit verlief äußerst unglücklich für den 2015 von den Oklahoma City Thunder in die Autostadt gewechselten Aufbauspieler. Jackson musste kurz vor Saisonstart am Knie operiert werden, verpasste deswegen nicht nur die gesamte Vorbereitung, sondern auch die ersten 21 Spiele.

Zwar stand der 27-Jährige im restlichen Jahr noch in 52 Partien auf dem Feld, kam aber nie so recht in Tritt. In allen wichtigen Kategorien sank seine Produktion im Vergleich zur Vorsaison, sodass Kritiker Jacksons nominellen Backup Ish Smith als regulären Starter fordern.

Folglich geht der Point Guard mit dem vielzitierten „chip on the shoulder“ in die neue Spielzeit. Es ist an Jackson zu beweisen, dass das letzte Jahr ein Ausrutscher war und er gemäß seines Selbstverständnisses durchaus in der Lage ist, sein Team als Taktgeber wieder in die Playoffs zu führen.

Beste Fünf
Jackson – Bradley – Johnson – Harris – Drummond

Good News
+ Die massiv verschlechterte Eastern Conference erhöht die Chancen auf den erst zweiten Playoff-Einzug seit 2009 enorm
+ Die Pistons schrammten letztes Jahr knapp an einer Top-10 Defense vorbei (11. in Defensiver Effizienz) – dank der Addition Bradleys sollte es diese Saison klappen
+ Die Mannschaft ist jung respektive in bestem Alter, einzig Neuzugang Anthony Tolliver hat die 30 überschritten
+ Die Pistons ziehen aus dem altehrwürdigen Palace of Auburn Hills in eine neue, moderne Arena und dürfen nach zuletzt spärlichem Zuschauerschnitt (knapp 16 000, 72,4% Auslastung) auf mehr Unterstützung hoffen

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Bad News
- Die Payroll von knapp 115 Mio. $ ist für dieses Durchschnittsteam nicht nur völlig unverhältnismäßig, sondern bindet der sportlichen Führung in der Personalpolitik die Hände
- Andre Drummonds Hacking-Spießrutenlauf ist auch dieses Jahr nicht zu verhindern und senkt die Attraktivität der Pistons-Spiele ins Unerträgliche (nur vier Spiele im landesweiten TV)
- Die Additionen genügen nicht, um die ausrechenbare Offensive (25. in Offensiver Effizienz) anzukurbeln
- Reggie Jackson muss wegen seiner Knieprobleme vorerst unter einem Minutenlimit spielen


Was fehlt?
Firepower. Detroit hat ein paar gute, aber keine sehr guten Shooter. Die beiden Spieler mit der höchsten Usage Rate – Jackson und Drummond – sind beileibe keine zuverlässigen Schützen und auch weitere Schlüsselspieler wie Stanley Johnson, Ish Smith oder Jon Leuer nicht für ihren Distanzwurf gefürchtet.

In einer immer stärker auf den Dreier fokussierten NBA wirken die Pistons ohne legitimen Scharfschützen wie ein Relikt aus früheren Tagen. Nicht nur dass der Gegner effektiver zu Werke gehen kann, das fehlende Spacing erschwert Detroits Spielmachern den Zug zum Korb.

Stan Van Gundys intendierte Erfolgsformel seiner Tage bei den Orlando Magic, einen dominanten Center mit vier feuerkräftigen Anspielstationen aufs Feld zu schicken, ist bei den Pistons derzeit nicht umsetzbar.

Check 1,2
Mittelmaß schwebt weiter über Motor City, wenngleich sich die Vorzeichen im Vergleich zum Vorjahr etwas gebessert haben. Die Pistons spielen um einen der hinteren Playoff-Plätze der Eastern Conference mit. Sollte es für Postseason Basketball reichen, wäre alles andere als ein Sweep etwa durch die Cleveland Cavaliers oder die Boston Celtics eine kleine Sensation.

Weil das auf Dauer kein Zustand für die Erben von Isiah Thomas, Joe Dumars, Ben Wallace oder Chauncey Billups sein kann, stehen die Pistons auch nach dem Engagement von Avery Bradley weiter ganz vorne an der Trade-Front.


Der angeblich schon zur letzten Deadline diskutierte Blockbuster-Trade um Drummond, Jackson und/oder weiteren Leistungsträgern wird spätestens im Februar wieder aufgewärmt werden.

Denn auch wenn Detroit zumindest wieder sportliche Relevanz ausstrahlt, ist mit diesem Kader nicht einmal Heimvorteil in den Playoffs absehbar oder annähernd in Reichweite, sodass eine Generalüberholung oder gar ein Neuanfang dem dreifachen Champion nicht schlecht zu Gesicht stünde.

Chef-Orakel
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