17 Oktober 2017

17. Oktober, 2017


Nach Media Days, Trainingscamps und ersten Testläufen ist klar: das neue NBA-Jahr 2017/18 ist inoffiziell underways. Wir haben wie gewohnt alle 30 Mannschaften durchgecheckt und prognostizieren euch bis zum echten Start am 17. Oktober die kommende Saison. Heute: die Houston Rockets.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick

Flashback
55-27, Conference Semi-Finals (2-4 vs. San Antonio Spurs)

Plus
Chris Paul
P.J. Tucker
Luc Mbah a Moute
Tarik Black
Zhou Qi

Minus
Patrick Beverley
Lou Williams
Sam Dekker
Montrezl Harrell

Was ist Neu?
Wieder mal so einiges: Die Ankunft von Chris Paul ist die beste Nachricht der Offseason und untermauert die gestiegenen Ansprüche in Südosttexas. Houstons neues Backcourt-Duo gehört zu den spannenderen Storys der neuen Spielzeit. Mit einer Usage Percentage jenseits der 20 oder gar 30 dominierten Harden und Paul ihre jeweiligen Teams über Jahre hinweg, nun werden sie – auf eigenen Wunsch – Anteile abgeben, das eigene Spiel anpassen und auf den jeweils anderen abstimmen müssen.


Das für CP3 nach L.A. verschickte Paket beinhaltet überwiegend Bank- und Ergänzungsspieler, deren Abgang intelligente und kostengünstige Akquisitionen der Free Agency kompensieren: P.J. Tucker und Luc Mbah a Moute verstärken maßgeblich die vergangenes Jahr nur durchschnittliche Verteidigung (17. in Defensiver Effizienz), Tarik Black hilft an den Brettern, wo die Rockets ebenfalls nur Mittelmaß waren (14. in Rebound Rate). Lange Zeit sah es so aus, dass Harden und Paul in Carmelo Anthony einen dritten All-Star zur Seite gestellt bekommen – weil sich die Rockets jedoch nicht mit den New York Knicks einig wurden, spielt Melo stattdessen für den Conference-Rivalen aus Oklahoma City.


Auch in der obersten Etage hat sich Wesentliches getan: Nach 24 Jahren im Chefsessel verkauft Les Alexander die Rockets für eine Rekordsumme von 2,2 Mia. $ an Hotelier, Casino-Besitzer und Reality-TV Sternchen Tilman Fertitta.

Beste Addition
Chris Paul ...  Außer den New Orleans Pelicans und L.A. Clippers haben in diesem Jahrtausend alle West-Teams der gegenwärtigen NBA-Landkarte die Conference Finals erreicht. Paul spielte für ebendiese Clubs, mit dem Anspruch sie mindestens ebendorthin zu führen – erfolglos. Im dritten Anlauf soll es nun an der Seite von James Harden endlich klappen. Trotz fortgeschrittenen Alters (32) zählt CP3 fraglos nicht nur auf seiner Position, sondern in der ganzen Liga zum elitären Kreis. Court Vision, Passgenauigkeit, Basketball-IQ, Dribbling, Wurf – Paul hat alles, was ein erstrangiger Aufbauspieler mitbringen muss. Auch zu seiner Verteidigung gibt es keine zwei Meinungen: Gerade erst wurde Houstons neue Nummer 3 zum siebten Mal ins All-Defensive First Team gewählt.


The Planet
James Harden ... Fünf Jahre, 228 Mio. $. „The Beard“ hat im Sommer den voluminösesten Vertrag der Franchise-Geschichte unterschrieben – und das zurecht. Im ersten Jahr als Point Guard legte Harden prompt ligaweit die meisten Assists auf (11,2 pro Spiel). Diese Zahl wird mit der Ankunft Chris Pauls zwar nicht aufrechterhalten zu sein, dennoch ist und bleibt der fünffache All-Star der Fixpunkt von Houstons Offensive. Mit nun 28 Jahren steht Harden auf dem Zenit seiner Leistungsfähigkeit, alles andere als eine weitere Saison auf MVP-Level wäre für ihn selbst und sein Team eine herbe Enttäuschung.

Rising Star
Eric Gordon ... Nach überwiegend durchwachsenen Jahren bei den L.A. Clippers und New Orleans Pelicans hat der 27-Jährige in Houston eine funktionierende Rolle gefunden und im ersten Jahr bei den Rockets prompt den 6th Man of the Year Award eingeheimst. Diesen Titel gilt es zu verteidigen: An der Seite von Harden und Paul ergeben sich für den offensiv vielseitig begabten Gordon zahlreiche neue Möglichkeiten, die Scoring-Bilanz des Vorjahres (16,2 Punkte pro Spiel) deutlich zu übertreffen.


Don’t Sleep! 
Nenê ... Nach einer eher unauffälligen Regular Season untermauerte der Brasilianer in der ersten Playoff-Runde gegen die Oklahoma City Thunder seinen Wert, als er maßgeblich am Ungleichgewicht der jeweiligen zweiten Reihen zugunsten der Rockets beteiligt war (28 Punkte, 10 Rebounds in Spiel vier). Nicht zufällig erhielt der Spielfluss der Rockets in der zweiten Runde gegen die Spurs einen merklichen Riss, nachdem Nenê verletzungsbedingt passen musste. Wegen der Ankunft Tarik Blacks werden die Minuten des inzwischen 35-Jährigen sorgsam-prophylaktisch etwas weiter zurückgehen – zumindest bis April. In den Playoffs ist der Veteran erneut als Bench Scorer und Energizer gefragt.

Beste Fünf
Paul – Harden – Ariza – Anderson – Capela

Good News
+ Die Offensive gehört weiter zu den besten der Liga, dank der Additionen hat auch die Defensive das Potential, in die Top 10 zu rutschen
+ Youngster Clint Capela wird von Chris Pauls Lobs profitieren wie vor ihm DeAndre Jordan und seine offensive Ausbeute (letztes Jahr: 12,6 Punkte pro Spiel) nach oben schrauben
+ Hardens Langzeitvertrag sorgt für Sicherheit und macht das Team attraktiv für weitere hochkarätige Neuverpflichtungen
+ Mit der Addition von Zhou Qi (gesprochen: „Joe Chee“) grast Houston wieder auf dem saftigen chinesischen Markt – das lässt die Kassen klingeln

Bad News
- Das Melo-Drama hinterlässt seine Spuren und einen verunsicherten Ryan Anderson
- Der neue Teambesitzer Tilman Fertitta ist anders als sein Vorgänger Les Alexander ausgesprochen extrovertiert und geltungsbedürftig: Unruhe vorprogrammiert?
- Das alte Thema Verletzungen lässt die Rockets auch dieses Jahr nicht los: Bleiben Paul, Anderson, Gordon, Nenê, etc. gesund?
- Wichtige Rollenspieler sind dem CP3-Trade zum Opfer gefallen, Houston muss wie jedes Jahr eine Vielzahl Neuzugänge integrieren.

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Was fehlt?
Houston hat die Schwächen des Vorjahres gezielt ausgemerzt, zwei der besten zehn Spieler der Liga im Aufgebot und dazu einen gesunden Mix aus offensiven und defensiven Rollenspielern zusammengestellt. Um sich zum ernsthaften Herausforderer auf die Golden State Warriors zu erheben fehlt allerdings schlichtweg insgesamt jene Ausnahmequalität, die deren vier beste Spieler ausstrahlen.

Check 1,2
Nach der überraschenden Vorjahressaison mit der drittbesten Bilanz und dem Einzug in die Conference Semi-Finals gilt es nun, diese Position nicht nur zu bestätigen, sondern sich als erster Herausforderer auf die Warriors zu positionieren. Mit seinem neuen Superstar-Duo und dem revitalisierten Mike D'Antoni an der Seitenlinie erheben die Rockets Anspruch auf Rang zwei im Westen und die Rückkehr in die Conference Finals.

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