15 Oktober 2017

15. Oktober, 2017


Nach Media Days, Trainingscamps und ersten Testläufen ist klar: das neue NBA-Jahr 2017/18 ist inoffiziell underways. Wir haben wie gewohnt alle 30 Mannschaften durchgecheckt und prognostizieren euch bis zum echten Start am 17. Oktober die kommende Saison. Heute: die Memphis Grizzlies.

von MARC LANGE @godzfave44

Flashback
33-49, keine Playoffs

Plus
Ben McLemore
Tyreke Evans
Dillon Brooks
Mario Chalmers
Ivan Rabb
Rade Zagorac

Minus
Zach Randolph
Tony Allen
Vince Carter
Troy Daniels

Was ist Neu?
Das Grindhouse ist Geschichte. Durch die Abgänge von Zach Randolph und dem „Grindfather“ Tony Allen schlägt die Franchise unter David Fizdale in der kommenden Spielzeit einen neuen Kurs ein. Vorbei ist die Zeit der langsamen Low Post-Offensive. Ab sofort soll in Memphis' vorne die Post abgehen und sogar der ein oder andere Dreier fallen. Dafür verzichten die Grizzlies teilweise auf die beinharte, gefürchtete aber auch schlauchende Defensive, die den eigenen Halfcourt zu einem Albtraum für gegnerische Angriffe gemacht hat. Passende Spieler für die neue Ausrichtung wurden auch schon gefunden. Neben den Eckpfeilern des Teams – Marc Gasol und Mike Conley – sollen die Neuzugänge Ben McLemore, Tyreke Evans und Mario Chalmers für frischen Wind bei den Bären sorgen und der Franchise eine neue Identität verleihen.


Beste Addition
Tyreke Evans ...  Der Rookie of the Year 2010 hat es in den letzten Jahren nicht geschafft, seine guten Leistungen auf einem konstanten Niveau abzurufen. Dies war vor allem Verletzungen geschuldet. Dennoch bringt der 27-Jährige ein dringend notwendiges Skill-Set mit nach Memphis: Die Fähigkeit, den Korb anzugreifen und das Spiel schnell zu machen. Zudem bewies er in den vergangenen Spielzeiten, dass er wichtiger Teil einer soliden Rotation sein kann. Sein Karriereschnitt von etwa 16 Punkten, fünf Assists und fünf Rebounds pro Partie untermauert zudem, wozu der ehemalige King und Pelican fähig ist. Die Verpflichtung von Evans an sich ist eine „Low Risk, High Reward“-Geschichte. Für 3,3 Mio. $ pro Saison kriegt man in der NBA heutzutage kaum einen besseren sechsten Mann. Bleibt der Swingman fit, könnte er sich zu einem der Steals der kommenden Saison entwickeln.

The Planet
Mike Conley ... Der ewige All Star-Snub gehört seit Jahren zu den besten Point Guards der NBA – und legte vergangenes Jahr sogar noch einmal eine Schippe drauf. Zum ersten Mal knackte Conley die 20 PPG-Marke und legte Karriere-Bestwerte bezüglich der Quote aus dem Feld (45,9%) und von Downtown (40,7%) auf. In einem Team, in dem Center-Ass Marc Gasol mit 32 Jahren noch immer eine tragende Rolle spielt, ist es der 30-Jährige, der in der Verantwortung steht, seine Grizzlies in Zeiten des Umbruchs anzuführen. Im starken Westen wird jedoch selbst Conley erneut über seinen eigenen Verhältnissen spielen müssen, um 2018 wieder Playoff-Luft zu schnuppern.

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Rising Star
Ben McLemore ... Nach vier unterschiedlichen Trainern und einem stänkernden DeMarcus Cousins in Sacramento hat McLemore nun die Gelegenheit, sein volles Potenzial auszuschöpfen. Er kann den Reset-Knopf drücken und endlich seine Rolle in der NBA finden. Diese sucht er nämlich auch nach vier Jahren Association immer noch verzweifelt. Da Conley, Gasol, Evans (und vielleicht sogar Chandler Parsons) bei den Grizzlies hauptsächlich für das Scoring zuständig sind, könnte sich McLemore nach seiner Verletzung langsam als vierte Option und einigen daraus resultierenden freien Würfen eingrooven. Vielleicht befindet sich seine Rolle aber auch eher im zweiten, athletischen Lineup. Von einer schnellen Offensive mit Spieler wie Evans, Chalmers oder Ennis könnte McLemore mit seiner Athletik ebenfalls profitieren. Es wird spannend zu sehen sein, ob er sich wirklich als Shooting Guard der Zukunft in Memphis etabliert – die Chance dafür hat er auf jeden Fall.

Don’t Sleep! 
Chandler Parsons ... Soll ich es wirklich sagen? Ok, ich sag es... nach einer Saison zum Vergessen kann es für den 94-Millionen-Dollar-Mann eigentlich nur besser werden. Und das muss es auch: Wegen seiner Allround-Fähigkeiten gehört Parsons fest zur Zukunftsplanung der Memphis Grizzlies. Anders ist sein millionenschwerer Vertrag auch nicht zu erklären. Das Vertrauen in eben diese Fähigkeiten muss der 28-Jährige diese Spielzeit aber auch beginnen zurückzuzahlen. Es wird in der Memphis-Area lautstark über einen Positionswechsel spekuliert. Vielleicht ist eine neue Rolle genau das, was Parsons braucht, um wieder der Alte zu werden. Wundert Euch also nicht, wenn der ehemalige Maverick bald als Stretch-Four fungiert, um Marc Gasol mehr Platz zu verschaffen. Irgendwie müssen die Abgänge von Vince Carter und Zach Randolph immerhin kompensiert werden. Doch egal wie David Fizdale Parsons am Ende einsetzt: Folgt eine ähnliche Kampagne wie 2016-2017, sollte das Thema Playoffs in Memphis lieber klein geschrieben werden.

Beste Fünf
Conley – Evans – Parsons – Green – Gasol

Good News
+ Alle Neuzugänge wurden für gutes Geld geholt
+ Die Bank ist deutlich stärker als die Jahre zuvor
+ Der Dreipunktewurf hat sich bereits letzte Saison schon stark verbessert
+ Der schnellere Spielstil wird Memphis offensiv gefährlicher machen

Bad News
- Die Grizzlies foulen zu viel. Die Gegner von Memphis erhielten letzte Saison durchschnittlich 34.1 Freiwürfe bei 100 Würfen aus dem Feld - schlechtester Wert der NBA in den letzten fünf Jahren!
- Eine Top-7-Defense wie letztes Jahr scheint auf Grund der Abgänge und neuen Philosophie utopisch
- Ben McLemore wird wegen seiner Fußverletzung wohl erst Ende November auf dem Parkett stehen
- Die Franchise ist abhängig von der Entwicklung von Spielern, die allesamt noch ein großes Fragezeichen sind


Was fehlt?
Eine sichere Zukunft. Die beiden besten Spieler der Grizzlies sind mittlerweile über 30 Jahre alt. Alle Neuzugänge für die Kaderverjüngung waren zwar günstig, sind dafür jedoch auch keine personifizierten Gamechanger. Außerdem bleibt Chandler Parsons' Gesundheit ein großes Fragezeichen. Ob die neue Ausrichtung von Coach Fizdale (effizientere Offensive bei weiterhin starker Defensive) mit dem jetzigen Kader überhaupt umsetzbar ist, wird sich auch noch zeigen müssen. Es lastet daher ein extrem hoher Druck auf der Mannschaft, die zum ersten Mal seit sieben Jahren wieder Gefahr läuft, in der Lottery zu landen.

Check 1,2
Die Grizzlies stehen diese Saison am Scheidepunkt. Irgendwann musste die Grindhouse-Ära enden, und Memphis war mutig genug, alte Spieler wie Randolph, Allen und Carter ziehen zu lassen. Dafür wurden talentierte Spieler geholt, deren Karrieren bislang noch nicht so verliefen, wie es viele vielleicht gedacht hätten. Dem Team aus Tennessee bleiben zwei etablierte Stars, ein aufstrebender Coach und viel Hoffnung auf der Bank. Im Westen hat das jedoch nur bedingt etwas zu bedeuten. 2017-2018 wird für Conley, Gasol & Co. eine Reise ins Ungewisse.

Chef-Orakel
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