08 Oktober 2017

8. Oktober, 2017


Nach Media Days, Trainingscamps und ersten Testläufen ist klar: das neue NBA-Jahr 2017/18 ist inoffiziell underways. Wir haben wie gewohnt alle 30 Mannschaften durchgecheckt und prognostizieren euch bis zum echten Start am 17. Oktober die kommende Saison. Heute: die Milwaukee Bucks.

von CHRISTOPH LENZ @NBAKenner

Flashback
42-40, Playoffs Runde eins (2-4 vs. Toronto Raptors)

Plus
D.J. Wilson
Brandon Rush
Gerald Green
Sterling Brown

Minus
Michael Beasley
Spencer Hawes

Was ist Neu?
Am Spielerpersonal haben die Bucks nicht allzu viel geschraubt. Bis auf Spencer Hawes und Michael Beasley sind alle Akteure, die im Vorjahr mehr als 500 Minuten auf dem Feld standen, zurück. Ergänzend hat Milwaukee für die hinteren Rotations- und Kaderplätze mit den Routiniers Gerald Green und Brandon Rush sowie diversen Draftees um No. 17 Pick D.J. Wilson nachgebessert. Die spannenderen Neuigkeiten kommen aus dem Front Ofiice. Dort wird John Hammond nach neun Jahren mit Höhen und Tiefen vom bisherigen Director of Basketball Operations, Jon Horst (34), abgelöst. Die Suche nach dieser Nachfolgeregelung dauerte länger als zunächst angenommen und verursachte einige Unstimmigkeiten sowie Fragezeichen über den Zustand der Führungs- und Besitzeretage in Milwaukee. Diese neue Unruhe wirkt sich auch auf die sportliche Situation aus, wo in dieser Offseason erstmals über die langfristige Zukunft von Giannis Antetokounmpo und auch wieder über die von Coach Jason Kidd diskutiert und spekuliert wurde.

Beste Addition
D.J. Wilson ...  Aufgrund der Zufriedenheit des Front Office mit der Entwicklung des bestehenden Rosters landet hier ein Rookie als Bucks-Vertreter in dieser Kategorie. Der ehemalige Teamkollege von Moritz Wagner in Michigan bringt drei Jahre College-Erfahrung mit und passt in die Bucks-Philosophie. Er ist ein athletischer, flexibel einsetzbarer Spieler, der ohne großen Hype ans College kam und sich dann stets verbessert hat.

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Durch diesen Spirit und die Eigenschaft als langer Athlet wird Wilson in Milwaukee gut zu integrieren sein und kann möglicherweise schon früh Akzente setzen. Wie sich Frischlinge mit College-Erfahrung bei den Bucks zurecht finden, wird der Rookie des Jahres Malcolm Brogdon sicher an Wilson weitergeben.

The Planet
Giannis Antetokounmpo ... In seinen ersten drei Jahren als Milwaukee Buck führte der „Greek Freak“ sein Team in keinem einzigen Jahr in irgendeiner Statistik an. Weder die meisten Punkte, noch in Sachen Rebounds, Assists, Steals oder Blocks präsentierte er sich als klare Nummer ein , obwohl er überall vorne mit dabei war. Umso bemerkenswerter dann die erneute Leistungssteigerung, die durchaus als Leistungsexplosion bezeichnet werden kann, durch die er sein Team dann plötzlich in jeder einzelnen der genannten Kategorien anführte. Die Bezeichnung „Planet“ trifft wohl auf keinen anderen Spieler in der Liga so akkurat zu wie auf Antetokounmpo, denn um ihn dreht sich alles in Milwaukee und seine bisherige Entwicklung zeigt, dass es keine Grenze gibt, die er nicht durchbrechen vermag.


Rising Star
Malcolm Brogdon ... Ohne Zweifel wäre der Titel des Rookie of the Year ohne die ungewöhnlich großen Einstiegsschwierigkeiten und Verletzungsprobleme bei den Top-Picks und Debütanten des letzten Jahrgangs für Brogdon nicht möglich gewesen. Dennoch hat er seine College-Erfahrung und sein etwas höheres Alter sofort umgemünzt und in der NBA mit viel Ruhe und Souveränität seine Rolle stetig vergrößert. Auch in Jahr zwei seiner Karriere in der Liga ist kein Rückschritt zu erwarten, denn speziell in den Playoffs setzte er auf höchstem Level Akzente und wird daher von Saisonbeginn an Starter sein und mit mehr Minuten auch noch entscheidender dazu beitragen, die Defensive zu stabilisieren und offensiv vor allem durch Effizienz und geringer Fehleranfälligkeit seinen Weg zum perfekten Rollenspieler fortsetzen.

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Don’t Sleep! 
Greg Monroe ... Von den acht Lineups, die auf 100 Possessions gerechnet am meisten Punkte mehr als die jeweiligen Gegner in dieser Zeit erzielt haben, taucht in fünf der Name Giannis Antetokounmpo auf, ebenfalls in fünf Malcolm Brogdon und nur in drei Khris Middleton. Die meisten Erwähnungen in diesen acht Lineups hat allerdings Greg Monroe, der von der Bank kommend in Milwaukee einen unheimlich positiven Einfluss auf das Spiel hat. Bemerkenswert dabei, dass sich dieser Einfluß nicht nur offensiv widerspiegelt, wo das Team mit ihm ein um fast sechs Punkte besseres Offensiv-Rating produziert, sondern auch am defensiven Ende weniger Punkte gegen die Lineups inklusive Monroe erzielt werden. Kombiniert ergibt das eine On-Off Differenz im Offensiv-Rating von +6,9, was bei den Bucks Rang zwei hinter Khris Middleton (+7,1) bedeutet.

Beste Fünf
Brogdon – Middleton – Antetokounmpo – Parker – Monroe

Good News
+ Stabilität im Roster, alle Schlüsselspieler sind wieder dabei
+ Zahlreiche tradebare Verträge mit Wert, Beteiligung an Kyrie Irving-Gesprächen gibt die Richtung vor
+ Giannis Antetokounmpo wird besser und besser, kein Ende seiner Entwicklung ist in Sicht
+ Jabari Parker kann dem Team nach seiner Rückkehr einen Boost geben

Bad News
- Jabari Parker kann bis zur Trade Deadline weder auf dem Court, noch mit signifikantem Trade-Wert weiterhelfen
- Unruhen im Front Office erhöhen den Druck auf Schlüsselpersonal Kidd und Antetokounmpo
- Keine offensichtlichen Roster-Verstärkungen addiert
- Seit der Saison 1999-2000 gelang es nur einem Bucks-Team (08-10) den Record zwei Jahre in Folge zu verbessern

Was fehlt?
Eine Prise Spacing. Es ist nicht allzu viel was den Bucks noch fehlt, um auch in Sachen Dreipunktspiel so gefährlich zu sein wie in anderen Facetten. Immerhin rangierten sie im Vorjahr auf Rang 22 in Sachen getroffene Dreier und die Quote, mit der sie diese trafen, reihte sich sogar ans Ende der Top Ten der Liga ein. Nichtsdestotrotz lassen zumindest die getätigten Kaderveränderungen keine signifikante Entwicklung in diesem Bereich erwarten. Natürlich ist ein Wachstum von innen immer möglich und vor allem die Utopie Giannis mit verlässlichem Dreier wäre ein unvorstellbares Gesamtpaket, aber damit können die Bucks zu diesem Zeitpunkt nicht sicher planen. Somit besteht hier im Mindesten noch Luft nach oben.


Check 1,2
Der Osten ist vor allem in dem Bereich, in dem sich die Milwaukee Bucks tummeln dürften, also zwischen Rang vier und sieben, eher schwächer geworden. Natürlich will das ein oder andere Team von hinten reinrutschen, aber aktuell sind die Bucks in der Pole Position sich wieder gut zu positionieren. Mit der positiven Playoff-Erfahrung aus dem Vorjahr im Gepäck dürfte vor allem dort wieder die realistische Möglichkeit bestehen, dass Jason Kidds Team dort einen Gegner ärgern kann. Nicht auszuschließen, dass dieses Jahr auch der Sprung in Runde zwei gelingt. Spätestens dann ist für dieses kämpferisch starke und unangenehm zu bespielende Team so gut wie alles möglich.

Chef-Orakel
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