12 Oktober 2017

12. Oktober, 2017


Nach Media Days, Trainingscamps und ersten Testläufen ist klar: das neue NBA-Jahr 2017/18 ist inoffiziell underways. Wir haben wie gewohnt alle 30 Mannschaften durchgecheckt und prognostizieren euch bis zum echten Start am 17. Oktober die kommende Saison. Heute: die Portland Trail Blazers.

von ANNO HAAK @kemperboyd

Flashback
41-41, Playoffs Runde eins (0-4 vs. Golden State Warriors)

Plus
Zach Collins
Caleb Swanigan
Anthony Morrow

Minus
Allen Crabbe
Festus Ezeli

Was ist Neu?
So gut wie nichts. Was angesichts des finanziellen Bewegungsfreiheit einer unterdimensionierten Hundehütte auch nicht verwundert. Die Blazers waren DIE vom Cap Space LSD anno 2016 berauschteste Franchise schlechthin. Es wurde rausgepfeffert, was an Dollars da war. Sinnentleerte Extensions für Moe Harkless oder Meyers L. im fatalen threesome mit Free Agent-Unfug wie Evan Turner und ADS-Reaktionen auf Offer Sheets (Crabbe). Rose City machte noch das Beste aus dem selbstgewählten Finanzkoma und fädelte mit dem Nurkić-Trade den besten Deal der „Diesseits von Sam Presti“-Welt 2017 ein. Die offizielle Losung im Sommer hieß deshalb „Konsolidierung“. Was aber nur eine Chiffre dafür ist, mit Salary dump Moves zu verhindern, dass ab nächstem Jahr Luxussteuern in ungekannten Dimensionen für ein ehrenhaftes Erstrundenaus gezahlt werden.

Beste Addition
Zach Collins ...  Warum? Um ehrlich zu sein: aus Mangel an Alternative. Irgendwie 2,15 Meter Hirnfurzmanagement auf zwei Beinen. Collins, seines Zeichens Center, wurde von den Sacramento Kings, die Big Men brauchen wie einen Splitter im Auge, gezogen. Mit dem Pick, der für DeMarcus Cousins kam. Er wurde dann von den Blazers akquiriert. Wofür die hinter, neben und unter Ed Davis, Jusuf Nurkić, Meyers Leonard und Noah Vonleh zwingend einen Big brauchen, erschließt sich auch auf den zweiten Blick nur bedingt. Immerhin: Collins, so Collegeauguren, sei ein Siebenfüßer mit Scoring-Fähigkeiten. Im besten Fall werde er ein Channing Frye für Einkommensschwache… Portlands beste Addition 2017, meine Damen und Herren.

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The Planet
Damian Lillard ... Yo, „C.J. McCollum ist der beste Blazer“-Hipster, beißt nochmal in den aufgetauten Grünkernbrätling vom Wochenende und verschont mich! Lillard ist die Identifikationsfigur und der beste Spieler der Blazers in Personalunion. Er steht für den einzigen ernstzunehmenden Seriengewinn in den letzten 17 Jahren. Er handelt den Ball, er ist Portlands bester Scorer, er IST die Blazers. DER Planet in Portlands Sonnensystem wird er aber auf Dauer nur werden / bleiben, wenn er ein einiger Maßen respektabler Verteidiger wird. Wofür wenig spricht.


Rising Star
Jusuf Nurkić ... Ja, immer noch. Einer der sehenswerteren Spielmacher von den großen Positionen und Portlands einzige echte Zonenpräsenz am eigenen wie am fremden Korb. Der Deadline-Schnapper geht in sein Contract Year. Hilfreich für die eigene Finanzplanung wie die sportliche Perspektive der Blazers wäre, unfall- lies verletzungsfrei durch die 82-Spiele-Knochenmühle zu kommen. Ohne ihn, die On-/Off-Zahlen zeigen es, wird Rip City in der nochmal dichter gewordenen Western Conference keine Chance auf die Postseason haben.

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Don’t Sleep! 
Meyer Leonard ... (Hier könnte Ihr Fragezeichen stehen). Die Kategorie passt zu Portland wie Jail Blazers. Das Kernproblem dieser Mannschaft ist ja gerade, dass man lauter Leute, die ihr Ceiling erreicht haben, konsequent überbezahlt. Also bleibt nur, zu hoffen, dass aus dem einst als Point Center und Prototyp des neuen smoothen Big Angekündigten endlich zumindest einer wird, der Nurkićs morsch wirkende Knochen entlastet. Nur: die Hoffnung stirbt zuletzt, aber sie stirbt eben auch.

Beste Fünf
Lillard – McCollum – Aminu – Harkless – Nurkić

Good News
+ Der Backcourt ist offensiv mit das Spektakulärste, was die NBA zu bieten hat und kein Warriors Trikot trägt.
+ Die Truppe ist immer noch relativ jung, wirkt harmonisch, muss kaum Neuzugänge integrieren.
+ Die Erwartungshaltung an die Blazers war angesichts der Steigerung von Minnesota, Houston, OKC und der erwarteten Verbesserung der Nuggets und der Pelicans selten geringer. Es durftet ein wenig nach 2015.
+ Die Fans sind die besten im Land. Portland wird auch diese Saison wieder 41 mal HeimVORTEIL haben


Bad News
- So zirkushaft die Guards jede Halle zu unterhalten vermögen, in einer Liga, in der es selten mehr elitäre Kleine gab als derzeit, sind Lillard und McCollum am eigenen Ende des Feldes kaum vermittelbar.
- Defensiv oszillieren die Blazers überhaupt zwischen Lachnummer (ohne Nurkić) und Lächelnummer (mit Nurkić).
- Die beste Scoringoption von der Bank dürfte Evan Turner heißen. Turner-Witze kann jeder, aber… damn.
- Sollte es – was naheliegt – mit dem angestrebten Plätzchen an der Sonne nichts werden, ist kaum Material da, um per Trade nachzuladen.

Was fehlt?
Defensive, ein (zweiter) Superstar, Geld und die Möglichkeit nachzulegen. Portlands Assets sind unverzichtbar (McCollum, Lillard), zu untalentiert (Al-Farouq Aminu), zu teuer (Harkless) oder zu teuer und zu untaleniert (Turner, puh, doch noch einen Evan-Gag platziert). Verteidigt wird nur an Sonntagen. Was bleibt, ist die Hoffnung auf die Wiederholung der Geschichte von 2015/2016. Der GM mit den Zauberhänden ist zumindest langfristig gebunden worden.

Check 1,2
Kurz und eins und zwei: Portland ist teuer überbezahlter NBA-Durchschnitt. Gerade im aktuellen Westen wirkt sich der Geldrausch von 2016 fatal aus. Während andere Teams aus dem Rip-City-Dunstkreis per Trade und Free Agency zulegten (Denver, Minnesota, Oklahoma City), herrschte in Oregon notgedrungen totaler Stillstand. Das reicht, um die Nulpen aus L.A. und Phoenix oder die Trümmer der Franchise formally known as Mavericks im Rückspiegel zu sehen. Für die Playoffs reicht es unter normalen Umständen nicht. Und selbst wenn: da gibt es vier Trainingseinheiten für den Champ und dann muss man auch schon Nurkić bezahlen. Es ist Trostlosigkeit auf hohem Niveau.

Chef-Orakel
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