12 Oktober 2017

12. Oktober, 2017


Nach Media Days, Trainingscamps und ersten Testläufen ist klar: das neue NBA-Jahr 2017/18 ist inoffiziell underways. Wir haben wie gewohnt alle 30 Mannschaften durchgecheckt und prognostizieren euch bis zum echten Start am 17. Oktober die kommende Saison. Heute: die Utah Jazz.

von CHRISTOPH LENZ @NBAKenner

Flashback
51-31, Conference Semi-Finals (0-4 vs. Golden State Warriors)

Plus
Ricky Rubio
Thabo Sefolosha
Donovan Mitchell
Jonas Jerebko
Ekpe Udoh
Tony Bradley

Minus
Gordon Hayward
George Hill
Boris Diaw
Trey Lyles
Shelvin Mack
Jeff Whitey

Was ist Neu?
Den Abgang eines klaren Franchise Players vom Format eines Gordon Hayward könnte kaum ein Team einfach so wegstecken. Die Utah Jazz versuchen aber die schwierige Ausgangslage zu Beginn der Offseason als eine Chance für neue Akzente und Impulse zu nutzen. Indem sie George Hill nach 49 Spielen in einer verletzungsgeplagten Saison wieder ziehen lassen und mit Ricky Rubio ersetzen geben sie dem Spiel eine von Grund auf neue Identität. Das schnelle Spiel nach vorne aus einer sehr stabilen Defensive heraus harmoniert zumindest zur Hälfte, nämlich der defensiven, mit dem was das Jazz-Roster schon bieten kann. Am anderen Ende sollen vor allem Rookie Donovan Mitchell und der „neue“, weil essentiell wichtigere, Rodney Hood dafür sorgen, dass Rubios Stärken zur Geltung kommen können und er schnell andere Spieler in gute Wurfpositionen bringen kann.

Beste Addition
Ricky Rubio ...  Nach sechs Jahren in Minnesota, die von wenig Teamerfolg gekrönt waren, steht für den 26-jährigen Spanier erstmals ein Tapetenwechsel an. Bei den Timberwolves war Rubio ein Muster an Konstanz. Das gilt für seine Stärken, sowohl in der Defensive, wo er sich problemlos auch den größeren Herausforderungen stellt, als auch für seinen Markenkern, dem zielgerichteten und teils spektakulären Vorbereiten von Körben am offensiven Ende.


Die große Problematik, die Rubio letztendlich daran hindert, zur absoluten Elite der NBA Spielmacher zu gehören, ist sein Wurf. Auf die Karriere gerechnet 37,5% aus dem Feld und 31,5% von der Dreierlinie sind viel zu schlecht um auch nur ansatzweise in diese Kategorie zu zählen, zeigen aber auch gleichzeitig, wie stark seine Stärken sind, wenn es möglich ist über diese Quoten hinwegzusehen. Ein Neuanfang ist für Rubio auch die Chance, sich nochmal neu zu definieren und vielleicht nochmal neu anzugreifen.

The Planet
Rudy Gobert ... Schon als Gordon Hayward noch in Salt Lake City weilte, gab es nicht wenige Beobachter, die bereits Rudy Gobert für den zentralen Baustein und besten Spieler des Teams hielten. Nach Haywards Abschied ist diese Rolle nun glasklar in den monströsen Händen des 25-jährigen Franzosen. Sein Einfluss in Sachen Defensive, speziell beim Beschützen des Rings, aber auch seine, für einen Spieler seiner Größe, ansehnliche Beweglichkeit, machen ihn zu einem unumstrittenen Top-Drei Verteidiger der NBA. Aber auch in Sachen Scoring und positivem Einfluss bei Ballbesitz des eigenen Teams macht Gobert eine immer bessere Figur. Seine Pick & Roll Fähigkeiten sorgen bei Durchführung oder als rein hypothetische Bedrohung für Angst und Schrecken in gegnerischen Defensiv-Abteilungen und machen Gobert mittlerweile zu einem der allerbesten Allround-Center der Liga.


Rising Star
Rodney Hood ... Der bisherige Karriereweg von Hood sieht nicht wirklich nach dem klassischen Weg zum Star aus. Nach einer ordentlichen, aber in keiner Weise beeindruckenden Rookie-Saison folgte ein gutes zweites Jahr. Die vergangene Saison, seine dritte in der NBA, war dann so sehr von Verletzungen geprägt, dass eher Rückschritt als Fortschritt erkennbar war. Doch auch hier ändert Haywards Wechsel nach Boston die Vorzeichen völlig. Hood wird in der kommenden Saison eine zentrale Rolle als wichtige Scoring-Option zukommen, die er mit seiner stets guten Effizienz aus allen Lagen unter normalen Umständen auch gut ausfüllen wird. Diese neue Rolle und die daraus resultierende Verantwortung und vielleicht ein neues Selbstbewusstsein können Hood, natürlich unter der Voraussetzung, dass er gesund bleibt, in den Kreis der heißen Kandidaten für den Most Improved Player Award katapultieren.

Don’t Sleep! 
Joe Ingles ... Wie heißt es so schön: The best ability is availability. Joe Ingles verkörpert dieses Credo in einem von Verletzungen gebeutelten Jazz-Team wie kein zweiter. In 2016-17 war er der einzige, der kein Spiel verpasst hat, insgesamt stand er in seiner Karriere in über 98% der möglichen Partien auf dem Court. Dabei steigerte er seine Leistung Jahr für Jahr und war in der abgelaufenen Saison einer der prototypischsten 3&D-Spieler der gesamten Liga. Er führte die Jazz in Steals an, traf unglaubliche 44,1% seiner Dreier und machte so wenige relevante Fehler an beiden Enden des Courts, dass er zu den besten Rollenspielern der Liga zählt, wodurch er sich einen lukrativen, aber durch abnehmende Jahresgehälter auch durchaus teamfreundlichen 50 Mio. $ Vertrag verdiente.


Beste Fünf
Rubio - Hood - Ingles - Favors - Gobert

Good News
+ Die Neuverpflichtungen lassen einen roten Faden erkennen
+ In der Defensive gehört das Personal zur Creme de la Creme der Liga
+ Rudy Gobert zeigt keine Anzeichen, seine fantastische Entwicklung nicht fortzusetzen
+ Kadertiefe auf fast allen Positionen qualitativ und quantitativ überdurchschnittlich

Bad News
- Der Talentverlust, den der Hayward-Abgang verursacht kann nicht so einfach abgefangen werden
- Außer Joe Johnson hat kein Spieler im Roster je mehr als 16,5 Punkte/Spiel in einer NBA-Saison aufgelegt
- Aufgrund der Vertrags- und Cap Space-Lage womöglich der letzte Schuss für diesen Kern
- Der Playoff-Kampf im Westen wird ein Blutbad und Utah ist mittendrin

🔜👌✋️🏀🎯

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Was fehlt?
Scoring. Zumindest in den Lebensläufen und Statistikbögen der Spieler im 2017-18 Roster der Utah Jazz lassen das vermuten. Bis auf Joe Johnson, dessen Jahre als verlässlicher Volume-Scorer auch schon einige Zeit zurückliegen, ist kein Spieler im Roster, der dafür bekannt ist, regelmäßig mehr als 20 Punkte zu erzielen. Am ehesten trifft das noch auf Derrick Favors zu, der muss aber erstmal gesund bleiben und dann zeigen, dass die vergangene Saison nur ein Ausrutscher war und kein Indiz für eine ganz neue Rolle in der Franchise. Die weiteren Hoffnungsträger als potentielle Topscorer in Utah sind der offensiv immer einflussreichere Rudy Gobert, die 2.0-Version von Rodney Hood in neuer Rolle sowie der Rookie Donovan Mitchell. Auch Johnson von der Bank wird seinen Teil beitragen können und vielleicht kann Ricky Rubio ja anknüpfen an die Phase im Februar und März 2017, als er über 27 Spiele hinweg seinen Dreier mit fast 42% bei immerhin über 80 Versuchen traf und über 15 Punkte pro Spiel einbrachte.

Check 1,2
Niemand kann dem Front Office der Jazz vorwerfen, in der Offseason untätig gewesen zu sein oder sich dem Schicksal der Small Market Franchise, die ihren Superstar verliert, einfach so zu ergeben. Die Jazz bleiben angriffslustig und haben auch weiterhin interessante Bestandteile im Roster. Die Defensive hat das Potenzial zur absoluten Ligaspitze zu zählen und allein das hält sie in der Playoff-Konversation. Ob der Sprung gelingt oder die Jazz nochmal neu ansetzen müssen entscheidet sich in der Offensive und teils wohl auch in kleinen Nuancen in diesem engen Kriegsgebiet, das sich Western Conference nennt.

Chef-Orakel
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