22 Oktober 2017

22. Oktober, 2017


Endlich hat die belanglose Zeit zwischen Juli und Oktober ein Ende gefunden: NBA-Basketball ist zurück und so auch der #NBACHEFSQUAD. Zum Auftakt der Spielzeit 2017/18 im Menü: Ein tiefer Blick in die hauseigen Glaskugel. Prognosen, Überraschungen und Enttäuschungen... garantiert goldrichtig.

von NBACHEFSQUAD

Homecourt East

Stefan Dupick @hoopsgamede: Der Heimvorteil im Osten geht an Cleveland, Washington, Milwaukee und Boston. Bis zum Season Opener wollte ich die Celtics gerne an der Spitze dieses Quartetts sehen, wegen der bitteren Verletzung von Gordon Hayward hat sich das geändert. Die Cavs gewinnen den Osten, dahinter prügeln sich die Bucks, Wizards und Celtics um die Plätze. Dahinter sehe ich derzeit die Raptors: Toronto hat P.J. Tucker verloren, Kyle Lowry wird immer älter und Jonas Valanciunas ist einfach nicht der richtige Center für dieses Team. Am Ende wird es Platz fünf, wenn auch knapp.

Christoph Lenz @NBAKenner: Der No-Brainer Pick, der nicht viel Erklärung bedarf, ist Cleveland. Bis vor kurzem wäre wohl auch Boston noch ähnlich leicht zu nennen gewesen, doch durch die Hayward-Verletzung steht erstmal ein Fragezeichen hinter den Celtics. Aufgrund des vorhandenen Talents und der Kaderbreite schaffen sie letztlich aber den Sprung in die Top vier. Wirklich knifflig sind die Ränge drei bis fünf zwischen den Kandidaten Washington, Toronto und Milwaukee. Letztendlich werden die beiden herausragenden Einzelspieler in Antetokounmpo und Wall ihre Teams zum Heimrecht führen und Raptors GM Ujiri ernsthaft über die Zukunft des Lowry/DeRozan-Duos nachdenken lassen.

Gerrit Lagenstein @GAL_Sports: Die Cavs sind sicher. Ein LeBron-James-Team hat zuletzt 2005 den Heimvorteil in der ersten Playoff-Runde verpasst. Auch die Celtics werden der Hayward-Verletzung trotzen und sich einen Platz unter den ersten vier sichern. Die Raptors und Wizards dürften ihnen jedoch den Rang ablaufen, wenn sie gesund bleiben. Toronto und Washington sind eingespielter als Boston. Gleiches gilt für Milwaukee, was sich mangels Erfahrung allerdings knapp mit Platz fünf zufriedengeben muss.

Anno Haak @kemperboyd: Hottake-Zeit: Cleveland, Washington, Toronto, Milwaukee. Es mag der Schock des Anblicks der widernatürlichen Fußstellung sein, aber Boston hätte ich schon vor der horrenden Verletzung von Hayward ein Übergangsjahr prognostiziert. Um Teamarchitekturkatastrophen wie Detroit und Charlotte hinter sich zu lassen, sollte es aber reichen.


Daniel Schlechtriem @W14Pick: Cleveland ist gesetzt. LeBron trägt sein Team so weit er muss und wegen mangelnder Konkurrenz locker auf Platz eins. Für den sind die Celtics ohne Hayward kein Kandidat mehr, zu Heimvorteil in der ersten Runde wird’s dennoch reichen. Die anderen beiden Plätze gehen an die Raptors und Wizards. Alles wie letztes Jahr also? Noch, denn die Bucks schrammen diese Saison knapp am Heimvorteil vorbei. Nächstes Jahr kommt ihre Zeit aber.


Homecourt West

Dupick: Die Warriors verlieren Game one gegen die Rockets und verspielen einen 17-Punkte-Vorsprung. Dennoch gewinnen die Dubs den Westen mit großem Vorsprung. Auf den Plätzen folgen die Rockets, die Thunder und die Spurs. Während Houston bereits in ordentlicher Verfassung zu sein scheint, wird OKC zum Start noch einige Schwierigkeiten haben. Für die Spurs ist die Rückkehr von Superstar Kawhi Leonard der entscheidende Faktor. Sollte Leonard länger ausfallen, dann ist der Heimvorteil in Gefahr. Auf dem fünften Platz sehe ich derzeit die Nuggets. Denver ist eingespielt (Vorteil gegenüber den Timberwolves) und wird entspannt in die Playoffs einziehen.

Lenz: Wie im Osten ist auch hier die erste Wahl fast automatisch getippt: Die Warriors sind dabei. Danach wird es schon spannender und die nennenswerten Kandidaten sind zahlreich. Bei den Spurs fehlte Kawhi Leonard die gesamte Vorbereitung und sein Comeback ist noch nicht terminiert. Die Rockets, Thunder, Wolves und Nuggets haben elementare Bausteine addiert, die möglicherweise erst ein wenig Zeit brauchen. Die Clippers und Jazz müssen schwerwiegende Verluste verkraften, sind durch geschickte Moves aber nichtsdestotrotz erwähnenswert. Stabilität zeichnet die Roster der Grizzlies, Trail Blazers und Pelicans aus, die sich aber auch stabil vom Heimvorteil fernhalten. Die Teams, die am Ende aus einem erbitterten Rennen um Platz zwei bis vier als vorläufige Sieger hervorgehen werden, sind die Rockets, Wolves und Clippers, das heißt: Jede Menge Enttäuschungen im Westen!

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Lagenstein: Alles andere als Platz eins wäre für die Warriors eine herbe Enttäuschung. Golden State hat die schwierige Aufgabe gemeistert, sein Meisterteam zusammenzuhalten. Dank den Additionen von Nick Young und Omri Casspi kann sogar von einer Verbesserung die Rede sein. Da kommen auch die Rockets und Thunder mit ihren Star-Transfer für Chris Paul beziehungsweise Paul George und Carmelo Anthony nicht ran. Für die Top-Vier reicht es aber auf jeden Fall, genauso wie für die ewigen Spurs.

Haak: Overreaction-[hier Wochentag nach dem ersten T-Wolves-Spiel einsetzen]-Zeit: Minnesota schon mal nicht. Meine Erwartungshaltung mag überzogen sein, aber Minnesotas Spiel in San Antonio fand ich hüben wie drüben abenteuerlich. Und das wären die einzigen gewesen, denen ich den Einbruch in die neue Superteam-/Supertrainer-Phalanx zugetraut hätte. Also in dieser Reihenfolge: Warriors, Rockets, Spurs, Thunder.

Schlechtriem: Golden State, ebenso klar wie langweilig. Als erster Verfolger setzt sich Houston fest, an OKC führt auch kein Weg vorbei. Rang vier wird spannend, denn den erobert einer der Emporkömmlinge: Minnesota oder Denver. Die in dieser Kategorie meist gesetzten Spurs werden sich, wie schon zuvor ab und an, in der Regular Season in Ruhe sammeln: Kawhi fehlt erst mal, Parker noch viel länger und Gasol hat die EuroBasket in den Knochen. Pop winkt sein Team im Schongang durch – und ob sie dann im April Heimvorteil haben oder nicht kratzt diese Spurs sowieso kaum.


Surprise, Motherf...

Dupick: Die Jazz könnten überraschen. Wegen der Abgänge von Gordon Hayward und George Hill wurde Utah von vielen Experten bereits abgeschrieben. Die Jazz treten jedoch als Team auf, haben keine strahlenden Superstars und stehen für Defense. Wenn Derrick Favors endlich wieder zu alter Form aufläuft, Rodney Hood den nächsten Schritt auf der Zwei macht und Ricky Rubio die Offensive der Jazz vernünftig orchestriert, dann kann Utah überraschen. Utah zählt zu den besten defensiven Teams der Liga und könnte im starken Westen knapp in die Playoffs rutschen.

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Lenz: Die Prognosen für die Endplatzierung der Clippers sind durchaus stärker gestreut als bei anderen Teams. So mancher rechnet mit einem harten Kampf um das Erreichen der Playoffs und die Krankenakten der Schlüsselspieler Blake Griffin, Danilo Gallinari und Patrick Beverley lässt Szenarien mit Niederlagen durch Ausfälle auch viel Spielraum. Die erste Überraschung kann die Fitness all dieser Spieler werden und wenn das der Fall ist, stehen auch die Chancen auf Erfolg für die Clippers gut und der Heimvorteil wird eingetütet.

Lagenstein: Letztes Jahr waren die Detroit Pistons ein Scherbenhaufen. Auf die erste Postseason-Teilnahme seit 2009 folgte eine enttäuschende Spielzeit mit mehr Niederlagen als Siegen. Das wird sich 2017/18 ändern. Die Pistons nutzen den Schwung des Umzugs in die neue Arena und stürmen zurück in die Playoffs. Möglich wird das, weil Avery Bradley nach seiner Abschiebung aus Boston ein Karrierejahr spielt und Reggie Jackson sowie Andre Drummond endlich verstehen, was sie für den Teamerfolg tun müssen.


Haak: Meine Liebe zu schwarz-weiß ist mit der Lin-Verletzung so irrational erloschen, wie sie entstand. Es bleibt ein Trio aus Kandidaten: Utah sieht wohl kaum jemand in den Playoffs (ich auch nicht). Selten hätte ich mehr gefeiert, wenn ich schiefläge, Milwaukee natürlich (s. oben) und die Hawks. Aber da sind „leiblicher Vater (des Gedanken): Wunsch“ und ein diffuses Bauchgefühl die einzigen Gründe.

Schlechtriem: Die Heat haben letztes Jahr mit ihrem 30-11 Run in der zweiten Saisonhälfte ein Zeichen gesetzt und sich sukzessiv weiter verstärkt. Goran Dragić, Hassan Whiteside, der rekonvaleszente Justise Winslow, der etwas adoleszentere Dion Waiters, dazu in Coach Erik Spoelstra und Macher Pat Riley gehobene Qualität an den Schalthebeln... Miami ist zurück in der Relevanz und wird dieses Mal nicht erst ab Mitte Januar für Furore sorgen. Sollte einer der klaren Favoriten der Eastern Conference Federn lassen, steht South Beach Gewehr bei Fuß.


Free Fallin'

Dupick: Die 76ers können im Vergleich zum Vorjahr zwar nicht abstürzen, aber gemessen an den Erwartungen schon. Viele sehen die 76ers als sicheres Playoff-Team. Das mag auch am schwachen Osten liegen, dennoch bräuchten die 76ers dafür 13-15 Siege mehr als im Vorjahr – das ist schon eine Ansage. Wenn Ben Simmons und Markelle Fultz einschlagen und Joel Embiid fit bleibt, dann ist eine Playoff-Teilnahme natürlich möglich. Das Team verfügt über sehr viel Talent und zählt zu den spannendsten Projekten der Liga. Da die Saison jedoch sehr lang ist, könnte ich mir vorstellen, dass Philadelphia am Ende die Playoffs knapp verpasst.

Lenz: Das Front Office des kanadischen NBA-Vertreters hat einen ausgezeichneten Job gemacht indem innerhalb des Roster ein „Junior-Team“ hinter dem eigentlichen Team herangezüchtet wurde. Auch die Moves in Sachen Unterstützung für das Backcourt-Duo Lowry/DeRozan können in Person von Serge Ibaka und C.J. Miles kaum kritisiert werden. Und trotz alledem wird am Ende des Tages kein Heimvorteil für die Raptors raus springen, vielleicht müssen sie gar noch weiter nach unten schauen. Der Grund ist der biologisch und ideologisch alternde Kern des Teams sowie die fehlende Reife der „jungen Wilden“, die bei aller Enttäuschung einen weiterhin optimistischen Blick in die Zukunft erlauben.

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Lagenstein: Der Höhenflug der Utah Jazz währte kurz. Durch die Abgänge von Hayward und George Hill wurde die letztjährige Erfolgs-Starting-Five pulverisiert. Mit Rudy Gobert unter dem Korb wird das Team aus Salt Lake City immer gut verteidigen. Aber wer macht vorne die Körbe? Der 36-jährige „Iso“-Joe Johnson wird sicher den einen oder anderen Gamewinner treffen, ein Franchise Player ist er aber schon lange nicht mehr. Für den verletzungsanfälligen Rodney Hood kommt die Rolle zu früh und der prominenteste Neuzugang Ricky Rubio sollte alles machen, nur nicht selber werfen. Die Saison der Jazz endet Anfang April.

Haak: Das mache ich kurz und trist. Im Vergleich zum Vorjahr: Bulls, Pacers und Jazz. Gemessen an den Erwartungen: Lakers (es gibt echt Leute, die die in den Playoffs sehen?!?), Thunder (mehr als Runde zwei fänd ich ein Wunder) und – ich fürchte – Minnesota (s. wieder oben).

Schlechtriem: Auch wenn sie gut gestartet sind: Die Bären wanken bedrohlich, Marc Gasol und Mike Conley stehen ab sofort allein auf weiter Flur. Zach Randolph, Tony Allen, Vince Carter – die Abgänge sind nicht bloß irgendwelche Veteranen, sondern Verkörperungen der Identität der Grizzlies. Und eine neue hat sich nicht herauskristallisiert: Shooting ist weiter Mangelware, ebenso frisches Blut: Gerade erst wurde in Wade Baldwin der Erstrundenpick von 2016 (#17) aussortiert und damit die eigene Unzulänglichkeit unterstrichen. Diese miese Politik hat Konsequenzen. Memphis wird zum ersten Mal seit 2010 die Playoffs verpassen – und das nicht einmal knapp, wie es manche Projection vorhersagt.



Reverse Standings #1

Dupick: Wir gehen in die letzte Saison, in der das klassische Tanking möglich ist, bevor die Regeln geändert werden. Dies sollte für einige Teams ein Anreiz sein, um auf Niederlagen statt auf Siege zu setzen. Ganz vorne in diesem Rennen sehe ich die Knicks, die Suns und die Kings. Auch die Nets könnten sich hier einreihen, werden aber nicht auf Tanking setzen, da sie ihren Pick nicht behalten werden (geht nach Cleveland). Mein Favorit auf den letzten Platz und somit die meisten Ping-Pong Bälle sind jedoch die Bulls. In Chicago läuft derzeit nicht viel zusammen und daher würde eine verkorkste Saison sehr viel Sinn ergeben.


Lenz: Die einfachste Antwort hier liefert das Ausschlussverfahren. Die Kandidaten sind zahlreich und die Rangfolge in den unteren Tabellenregionen wird dieses Jahr noch ein letztes Mal das auf seine eigene bizarre Weise spannende Spektakel, das wir kennen und lieben gelernt haben (R.I.P. alte Lottery Odds). Nets und Lakers fehlt mangels Pick-Kontrolle der Anreiz. Magic, Pacers, Kings und Knicks haben zu viel NBA-Talent im Roster. Mavericks und Hawks sind zu gut gecoacht. Letztlich wird es ein Kopf an Kopf Rennen zwischen den Phoenix Suns und den Chicago Bulls. Die Suns haben aktuell durchaus gestandenes Talent im Roster, allerdings auch den ein oder anderen Trade im Ärmel. Den Bulls und ihrem Front Office traue ich nichts mehr zu, nicht einmal die schlechteste Bilanz zu liefern... mein Tipp sind daher die Phoenix Suns.

Lagenstein: Ich habe die Bulls in meiner Preview nicht umsonst zerrissen. Chicago hat eine Mannschaft auf die Beine gestellt, die, was die Qualität angeht, in der jüngeren Vergangenheit höchstens von den „Trust-The-Process-Sixers“ und den 2012er Bobcats unterboten wird. Das ist aus nur zwei Gründen gut: Im nächsten Sommer winkt Luka Dončić oder einer der College-Superstars. Außerdem wird Paul Zipser jede Menge Spielzeit bekommen und auch nicht fürchten müssen, nach einem Fehler direkt ausgewechselt zu werden.


Haak: Ich könnte hier schale Witze über die Sixers und das Linsanatorium machen. Man könnte über Orlandos nächste WTF-Offseason und über die Knicks salbadern. Aber: wenn es nicht die Bulls werden, sollte Phoenix den Laden dicht machen. Gruselig werden beide. Mit dem Unterschied, dass in der Wüste Perspektiven sichtbar sind.

Schlechtriem: Die Schlägerei im Training zwischen Bobby Portis und Nikola Mirotić  hat den Favoritenstatus der Bulls zementiert. Der ohnehin schon qualitätsarme Kader wird anhand dieser Disziplinlosigkeiten weiter verdünnt und es fehlt vorerst an Vorstellungskraft, überhaupt ein Team zu finden, das gegen dieses Chicago nicht gewinnt. Die Hawks vielleicht... die haben Dennis Schröder, der sich auch gerne mal prügelt (bevorzugt zu viert gegen einen) und dafür noch gesperrt werden wird. Ohne Schröder sind die Falken dann ebenso verloren wie die Bullen. Die Knicks haben Kristaps Porzingis, die Nets D'Angelo Russell, das reicht zumindest um am Ende vor Chicago zu stehen. Und der Bodensatz des Westens wie Phoenix oder Sacramento würde im Osten sogar um einen Platz unter den ersten Acht mitspielen und daher in den Interconference-Duellen den ein oder anderen Sieg einfahren. Ganz im Gegensatz zu den Bulls, die den eigenen Negativrekord von 15-67 Siegen (18,3%) aus der Spielzeit 2000/01, damals mit Fred Hoiberg als Teilzeit-Starter, ernsthaft in Gefahr bringen.