07 November 2017

7. November, 2017


Kurz bevor der Spekulatius auch schon in den Ausverkauf gelangt, wird in der NBA der Grabbeltisch befüllt und die Trade-Rotation angeworfen. Beißen Sie nochmal in den Lebkuchen, die Chefküche backt die Deals der noch jungen NBA-Saison gut durch. Heute: der freie Friseur von Phoenix.

von ANNO HAAK @kemperboyd

Start
Eric Bledsoe war schon länger nicht mehr glücklich in der „Nicht-Fisch-Nicht-Fleisch“-Wüste. Er ließ das nach allem, was man (jetzt natürlich erst) so lesen konnte, intern wohl auch jeden wissen, unabhängig davon, ob der Rezipient das überhaupt wollte.

Als das nicht mehr funktionierte, ließ er beim Haareglätten der Angebeteten kurz einen Hirnfurztweet vom Stapel, damit war das Tischtuch mit dem größten Geizkragen der Liga westlich von Chicago endgültig durch. Seit dem 23. Oktober des Jahres bezahlte jener Mensch gewordene Sparstrumpf seinem einstigen Franchise Player ca. 80.000 Dollar (pro Tag, versteht sich), um nichts zu tun außer auf einen Anruf seines Agenten zu warten.

Milwaukee galt als Buyer im entstehenden Trade Markt. Das vor allem dank Big Man Schwemme überteuerte Roster sollte nach Möglichkeit verbilligt und sportlich besser gemacht werden. Im Osten gilt Milwaukee vor allem dank des Euro-Dauerkrisenland-Freaks als dunkles Pferd am Wettmarkt für den Cavs-Entthroner.


Schuss
Milwaukee erhält Eric Bledsoe, die Suns bekommen (den auslaufenden Vertrag von) Greg Monroe sowie einen geschützten Erst- und einen geschützten Zweitrunder aus der Brauereiperle 2018.



Bucks
Machen wir uns wenig vor. Für die Hirsche ist das ein Schnapper. Bledsoe war der einzig (aktuell) taugliche bis überdurchschnittliche Pro der Suns. Er war der mit Abstand bester Spieler mit vernünftiger Sample Size (on off 16/17 4,2 im plus). Er machte ein (sehr) mieses Team (ein wenig) besser. Es hat schon Gründe, dass das dreiste Benching im letzten Jahr als Mit-Auslöser der Lotteriereform gilt.

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Der auslaufende Deal von Monroe stand ohnehin als Asset bereit, sollte sich irgendwo in der NBA ein brauchbarer Spieler nicht entblöden, öffentlich Abwanderungsgedanken zu hegen. Auch wenn sich der Ex-Piston vom grandiosen Missverständnis zum erklecklich produktiven Anführer der Bankeinheit gemausert hatte: eine große Zukunft hatte er nicht im Team von Giannis A.

Er hatte (kluger Weise) im Sommer seine Spieleroption gezogen. Damit vermied er, sich in der Hoffnung auf den Zahltag zu verpokern wie so viele offensiv manierliche, defensiv aber – nun ja – minderbegabte Big Men in der Liga, deren Ausgaben nur vermeintlich niemals schrumpfen. Insofern war das „JA, ich will (das letzte Vertragsjahr)“ für beide Seiten ein Winwin in Vorbereitung auf die Scheidung.

Ein Lottogewinn ist Bledsoe für die Bucks allerdings nicht. Ja, er kann Antetokounmpo im Handling und Playmaking entlasten (indes: will A. das überhaupt?). Ja, er hat athletische Anlagen, die ihn theoretisch, allerdings statistisch kaum messbar, zu einem annehmbaren Verteidiger machen. Ja, mit seiner relativen Länge und kräftigen Statur passt er ins Bucks Beuteschema vielseitig einsetzbarer Spieler.

Nur: Spacing, die Lieblingsdroge der modernen NBA, nach der auch die Bucks so schmachten, liefert er nicht (Dreierquote 16/17: für einen Guard relativ indiskutable 33 %). Auch nur durchschnittlich effizient agierte er offensiv keineswegs, auch nicht zu Zeiten, als der in der Knicks-Hölle gefangene einstige Seitenscheitel-Assasin aus den Suns wieder Americas Team machte.

30 Millionen bis 2019 für einen Spieler, der in drei seiner sieben vollen Saisons jeweils mehr als die Hälfte aller Spiele verpasste, sind auch kein Discount-Deal, erst recht nicht für einen augenscheinlich neben Brogdon sogar leicht redundanten Comboirgendwas. Für Irritationen war er schon vor seinem Coiffeur-Tweet durchaus zu haben. Wer es nicht wissen mag, suche einmal die Rahmendaten der Vertragsverlängerung 2014 heraus, abgepresst vom LeBron-Intimus, was ihn auch zum Kandidaten für eine Cavs-Aufpolsterung gemacht hatte.


Suns
Man möchte rufen, man möchte schreien, man möchte sich den Müllmann-Overall vom Leib reißen, wenn man das lila-orangene Front Office in der Wüste vor sich hin dilletieren sieht. Ihr einziges Asset haben sie mit diesem Deal für einen Preis verhökert, der wahrscheinlich auch in anderen Front Offices Schnappatmung auslöst.

Da war von einem ganzen Pick-Konglomerat der Nuggets oder dem Nets-Pick 2018 (BTW: bin ich froh, wenn dieser gottverdammte Superwanderpokal endlich materialisiert ist) aus Cleveland konfabuliert worden. Am Ende wurden es 08/15-Wahlrechte aus der Heimat der Plätze 4 – 8 im Osten. „Dafür war LeBrons Kollege zu haben?!?“, schreit Koby (don't call me Kobe) verzweifelt auf. Wir kommen auf die Picks noch zurück.


Vorher handeln wir noch Monroe ab. Phoenix braucht ihn nicht. Phoenix will ihn (hoffentlich) nicht. Der Vertrag läuft in sieben Monaten aus. Das ist das Interessante an Monroe für die Suns. Vielleicht legt man ihn noch ein wenig in die Grabbelauslage, um einem verzweifelten Wannabe-Contender noch einen Zweitrundenpick aus den Rippen zu leiern. Sollte das bis zum Aufstellen der Christbäume nicht funktionieren, wird ein Buyout imminent.

Also die Picks. Für die Schutzstaffel, die um die Draft-Wahlrechte der Bucks 2018 patroulliert, muss man fast schon Mathematik studiert haben. Aber ich versuche das mal: der Erstrundenpick geht im kommenden Jahr an die Suns, wenn er zwischen 11 und 16 landet, 2019, wenn er zwischen 4 und 16 ankommt, 2020 überall jenseits der top 7 und wenn das alles nichts geworden ist, 2021 ungeschützt.


Abgesehen von der Frage, wer sich sowas ausdenkt, heißt das im Klartext, dass der Pick schwer geschützt und auf dem geduldigen toten Baum wenig wert ist. Wenig vor allem deshalb, weil die Suns außer den Auswahlrechten nichts, aber auch wirklich gar nichts Zukunftsträchtiges erhalten. Realistischer Weise hat Phoenix in diesem Jahr nur einen zusätzlichen Erstrunder gewonnen, wenn die Bucks eins der zwei schlechtesten Playoffteams werden. Das ist eher unwahrscheinlich und selbst dann: etwas dürftig. Über den Zweitrundenpick decke ich einen Pelzmantel des Schweigens.

Der Sarver-Fanclub steht natürlich und irgendwie auch zu Recht Gewehr bei Fuß.


Das ist alles biblisch wenig und schreddert die Ziele der Suns vor dem Trade zu winzig kleinen Schnipseln, die im Wüstenwind gen Lakers wehen. Talent akquirieren, Geld sparen (lies: Chandler mit verschiffen), werthaltige Draftrechte ergattern. Alles glatt verfehlt. Dennoch: Zeit für ein Plädoyer aus der Feder des Teufels Advokat.

Die Aufgeklärten unter Euch sprechen stets davon, die NBA sei ein Bissiness. Sie funktioniert tatsächlich auch genau so. Wie ein Markt. Angebot, Nachfrage und Preisrelation. Der eine oder andere mag seit dem Allstar-Break geschlafen haben, was ich ihm angesichts der „Spannung“ in der Liga nicht vedenken könnte. Wer wach war oder nachliest, wird die albernen Gegenwerte für Cousins, Butler und George zur Kenntnis genommen haben. „Bledsoe?!?“, möchte man meinen Lieblingsfilm zitieren. „Geile Geschichte. Was willst Du dafür haben, ne FBI-Marke?!“

Bledsoe ist ein leicht überdurchschnittlicher NBA-Profi, der leicht überbezahlt ist. Der Wert war durch die alternativlose Suspendierung nicht erhöht. Er ist ein Wurfallergiker, der gerne die eigene Franchise öffentlich in den Senkel stellt und regelmäßig malade ist. Daraus einen garantierten Erstrundenpick zu machen, der ggf. erst in vier Jahren ankommt, ist nicht preisverdächtig, aber in der jetzigen Marktsituation, wie sie von Pritchard und GarPaxs vermaledeit wurde, in Ordnung.

Wer dann noch in die Diskussion über die Protektionen einsteigt, den kann ich kaum noch ernst nehmen. Der Tanz um das goldene Kalb Draft nimmt inzwischen manische Züge an. Der Kobold hat aus zwei schutzlosen Top-3-(Swap)-Picks Jaylen Brown und Jayson Tatum gemacht. Das ist ja alles nice to have, nur erzähle mir doch keiner, damit drehe man die Basketballwelt auf links. Auf der anderen Seite: Antetokounmpo und Leonard. Genug gesagt.


Rechnung
Das ändert natürlich nichts daran, dass die Suns auch diesen Trade (war das seit Barkley mal anders?) verlieren wie Cleveland Heimspiele gegen Atlanta.

Vorteil: Bucks